Wie finde ich meine Zielgruppe und Testleser

Zielgruppe
Was bedeutet Zielgruppe?

Einfach ausgedrückt ist das Deine Leserschaft, denn (potentielle) Leser suchen sich vorrangig ihr Futter anhand von Kategorien aus. Aber wie findest Du Deine Zielgruppe?

Auch dafür gibt es ein Zauberwort: Marketing 

Dieses Marketing ist kein Ding aus einer anderen Welt, sondern eine zielorientierte und aktive Handlung, und unabdingbar für jeden, der ein Produkt/eine Dienstleistung anbietet.

Du wirst mir verzeihen, dass ich an diesem Punkt einen Einschnitt mache, da ich kein Experte auf diesem Gebiet bin; dafür ist es ein zu komplexes Thema. Ich halte es für sehr wichtig – Du solltest das auch.

Was hältst Du von Social Media, Ines?

Auch sehr wichtig, aber hier rate ich zur Vorsicht. Wo und vor allem wie aktiv bist Du, z. B., bei Facebook, Twitter, Pinterest und schlag mich tot vertreten? Wie viel Zeit verbringst Du auf diesen Seiten? Dir soll ja auch noch genug Raum zum Schreiben bleiben; denn tanzt Du auf zu vielen Hochzeiten, geht Dir schlimmstenfalls die Puste aus.

Nachfolgend erhältst Du einige Vorschläge, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe:

 

Gezielte Umfragen

Scheue Dich nicht, Deinen Bekannten- und Freundeskreis oder Deine Verwandten zu fragen. Was kann passieren? Vielleicht kennst Du ja schon den Geschmack oder das bevorzugte Genre dieser Gruppe(n), vielleicht ist der eine oder andere sogar Testleser Deiner Entwürfe. Das ist gut, dadurch hast Du bereits ein Fundament für den Anfang geschaffen.

Komme ruhig von hinten durch die Augen. Ermögliche Deinen potentiellen Lesern Prioritäten. Frage nicht, ob er dieses oder jenes Genre gern liest (oder lesen würde), sondern warum er … gern liest, was ihm an … gefällt/reizt.

Manchmal passiert es auch, dass Leser auf schrullige Charaktere stehen, obwohl sie Krimis weniger interessant finden. Agatha Christie hat das wunderbar mit Miss Marple und Hercule Poirot gelöst.

Merke: Charakter ist Trumpf

 

 

Durch Testleser

Testleser müssen nicht ausschließlich aus Deinem näheren Umfeld kommen. Ob Du schon länger schreibst (und schon Testleser hast) oder gerade Dein erstes Manuskript anbietest, ist erstmal egal. Die besten Testleser findest Du unter Viellesern, deren Erfahrung unschätzbar ist. 

 

Erste Fans Deiner Zielgruppe

Du wirst sicherlich mehr Leser erreichen, die lieber Geschichten in bestimmten Kategorien lesen. Schließe Dich diversen Schreibgruppen an, mache mit anderen Autoren reichlich Erfahrungsaustausch, suche Dir Blogs, die sich mit Schreiben befassen oder besuche Lesungen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen. Es heißt nicht umsonst, man habe schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen.

 

Zielgruppe durch Fragebögen finden

Eine weitere Möglichkeit, Deine Zielgruppe einzugrenzen, sind selbst erstellte Fragebögen, auf denen Du exakt angibst, was Dir wichtig ist. Das heißt nicht, dass zusätzliche Tipps, Anregungen oder Meinungen tabu sind, im Gegenteil, aber vielleicht gibt es bestimmte Punkte, die Dir (erstmal) wichtig sind.
Ich frage z. B. vorrangig solche Dinge wie:

  • War die Geschichte langweilig oder unterhaltsam? (Die wichtigste Frage überhaupt – für mich zumindest)
  • Gab es einen roten Faden?
  • War das Ende vorhersehbar?
  • Wie waren die Charaktere dargestellt? War deren Motivation/Zielsetzung nachvollziehbar?
  • Wie fandet Ihr die Dialoge (zu viel/zu wenig)?
  • Ließ es sich schlüssig lesen? (Kommt ein Leser mehrmals ins Stocken, stimmt was nicht)
  • Gab es genügend Humor? (Mangelnder Humor wird oft überschätzt)
  • Welchen Charakter mochtet Ihr am liebsten? (Vielleicht als Zusatzfrage?

Das sind nur einige Beispiele. Erstellt Euch eine Liste mit Euren dringenden Fragen und ergänzt sie je nach Erfahrung.

 

Fanfiktion, MEDIUM und Co.

Du wirst sicherlich schon von Fanfiktion gehört haben, vielleicht hast Du bereits einiges auf dieser Seite veröffentlicht. Wenn ja, kannst Du den nächsten Absatz ruhig überspringen.

Was heißt Fanfiktion? 

Diese Seite wurde erstellt, um Hobby-Autoren eine Möglichkeit zu bieten, eigene Varianten in Verbindung mit vorhandenen Geschichten und den dort spielenden Charakteren zu kreieren. Der Vorteil so einer Seite ist, dass sie Dir ermöglicht, reichlich zu praktizieren und Erfahrungen zu sammeln. Der Nachteil wiegt schwer. Da sich dort oft – logischerweise – nur Anfänger tummeln, ist das Schreib-/Autorenniveau nicht besonders hoch; klingt hart, ist aber so.
Ergo? Es ist brauchbar, um eigene Erfahrungen zu sammeln und/oder sich bereits da eine Fan-Gemeinde aufzubauen, mehr aber nicht. Unterliege nicht dem Eindruck, für den Markt reif zu sein, nur weil Du reichlich positive Reviews (so werden dort die Rezensionen bezeichnet) erhältst bzw. erhalten hast.

MEDIUM ist eine Seite, auf der Du eigene Berichte, Geschichten oder auch nur Kommentare schreiben kannst. Falls das für Dich noch zu früh ist, kannst Du auch einfach nur andere Geschichten lesen und vielleicht sogar etwas lernen.

Welche Seite Du auch immer nutzt, Du wirst nicht nur neue Erfahrungen sammeln, sondern vielleicht die eine oder andere Bewertung/Einschätzung erhalten.

 

Soll ich mir jede Bewertung zu Herzen nehmen?

Kurze Antwort: JEIN. 

Lange Antwort: Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass selbst der anspruchsvollste Leser kein professioneller Lektor ist, sondern bestenfalls seine eigenen Ansichten einbringen kann. Du wirst spätestens dann feststellen, ob er überhaupt zu Deiner Zielgruppe gehört, denn manchmal ist es besser, solche Leser bei der nächsten Umfrage auszuschließen.

Richtig ärgerlich wird es allerdings (oder kann es werden), wenn andere Autoren oder Testleser Dich und Deine Arbeit unterschätzen, z. B., dass Du ungenügend recherchiert hast – vorausgesetzt, Du warst diesbezüglich gründlich! Ich habe mehrmals diese Erfahrung gemacht und war, ehrlich gesagt, manchmal sogar enttäuscht. Ich bin diesen Lesern sicherlich dankbar, immerhin haben sie ihre Zeit geopfert, aber …

Sie brachten mich nicht weiter.

Wie Du damit umgehst, ist selbstverständlich Deine Entscheidung, bedenke aber, dass Du als absoluter Anfänger beeinflussbarer bist.

 

Was könntest Du noch tun?

Versteife Dich nicht nur auf die Hauptkategorien, z. B. Romanze, Krimi, Abenteuer oder Thriller usw. Es gibt zahlreiche Unterkategorien, nach denen Leser gezielt suchen. Oder sprich auch mal Interessenten an, was sie denn an bestimmten Kategorien und/oder Themen so spannend finden. Frag‘ sie ruhig, warum sie gerne etwas Historisches, einen Gerichts-Thriller oder lieber eine flotte/leichte Liebesgeschichte lesen. Und wer weiß, vielleicht hast Du gerade einen neuen Leser gefunden. 

 

 

Was meinst Du dazu? Hast du schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie findest Du Deine Fans?

 

Bild: Pilgerdorf in Plymouth, Boston/MA

Ines Pischel

Ines schreibt unter anderem Krimis, Romanzen und Kurzgeschichten. In ihrem neuen Blog gibt sie (nicht nur) Schreibanfängern praktische und sofort anwendbare Tipps.

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