Lege Deinem Protagonisten Steine in den Weg

Lege Deinen Figuren Steine in den Weg

 

Über Konflikte – ob groß oder klein – wird ja genug gesprochen. Ob Du es Komplikation, Ärger, Trouble, Dilemma, Desaster oder Hürde nennst, ist erstmal wurscht. Die Charaktere haben ein Problem.

Wie schaffe ich aber Konflikte, die tatsächlich welche sind?

 

Dein Charakter hat ein Ziel, das er nicht erreichen darf

Es ist immer kategorieabhängig, aber Herausforderungen (große und kleine) dürfen nie fehlen. Beachte aber die Reihenfolge, Konflikte müssen sich steigern und sollten sich nicht ständig einfach nur wiederholen.

Hier mal ein grobes Beispiel einer Verfolgung:

  • Der Charakter „fühlt“, dass jemand hinter ihm her ist.
  • Er ist auf der Hut und wird aufmerksamer (er vermutet gar etwas).
  • Der Gegner schlägt zum ersten Mal zu (wortwörtlich).
  • Dein Charakter begreift, er ist in ernsthafter Gefahr und holt zum Gegenschlag aus.
  • Wir haben (erstmal) eine Patt-Situation.

 

Um Konflikte zu lösen, müssen die Figuren Entscheidungen treffen

Hast Du Deinen Charakteren einen Code mitgegeben? Eine Einstellung oder Überzeugung, die unumstößlich ist? Was passiert, wenn er diesen Code brechen, seine Grenze also, überschreiten muss? Eine Rückkehr ist nämlich nicht möglich.

 

Ernst vs. Pille Palle

Nein, wir sprechen nicht von Ernst gegen seinen Sauf Buddy. Hier mal eine kleine Zusammenstellung zwischen kein, mittel und groß (wir sprechen immer noch von Konflikt, nicht, was Du denkst). Behalte aber wieder das Genre im Auge.

  • Eine Erkältung ist nichts – vorerst.
  • Ein grippaler Infekt kann bereits ein Arbeitsausfall bedeuten – mittel. (Mit ein bisschen Glück und einem guten AG mag es glimpflich ausgehen, wenn nicht, wird es verschleppt).
  • Eine Lungenentzündung ist die Folge – groß.
  • Jetzt muss eine Behandlung her. Was tut der Charakter? Selber kurieren (fatale Entscheidung) oder geht er ins Krankenhaus (kluge Entscheidung)? Hier könnte er sogar seine Grenze überschreiten – er hasst Krankenhäuser.

Zweites Beispiel:

  • Der Gegner ist schwächer oder dem Protagonist gelingt die Flucht – kein Konflikt.
  • Geringe Verletzung – eine kleine Prügelei ist nichts, somit keine Gefahr.
  • Starke Verletzung, doch die Freunde kommen schnell zu Hilfe – mittel.
  • Starke Verletzung, keiner kommt zu Hilfe, Dein Charakter bleibt gar längere Zeit bewusstlos liegen – großes Problem.

Zugegeben, diese Beispiele sind sicherlich nicht oft anwendbar, aber ich denke, Du hast verstanden, was ich Dir verklickern will. Wie geht es weiter, was könnte noch die eine oder andere Hürde sein?

 

Der innere Konflikt

Beim inneren Konflikt trägt jeder Charakter – ja, auch der Gegner – einen Kampf mit sich selbst aus. Logisch. Auch hier sollte mit Steigerungen gearbeitet werden, z. B.:

  • Einem Freund/Familienmitglied ohne Aufwand oder Konsequenzen helfen – kein Konflikt.
  • Bei Bedenken, ob er nicht nur ausgenutzt wird – klein.
  • Weiß er, er wird nur ausgenutzt muss er eine ernsthafte Entscheidung treffen, ob er das beendet – mittel.
  • Muss er sich zwischen zwei Parteien entscheiden (win some/lose some) – groß.
  • Macht er sich gar strafbar für einen geliebten Menschen (unumkehrbar) – Konflikt mit ernsten Konsequenzen.

 

Zwei kleine Bemerkungen

Zu Beginn habe ich vor Wiederholungen gewarnt. Das bezieht sich selbstverständlich auf gleichbleibende Vorkommnisse. Ändern sich jedoch Platz, Zeit oder Beteiligte, kann „man“ durchaus nochmal in die gleiche Situation – sprich Zwickmühle – kommen.
Auch die Zusammenwürfelung Konflikt, Dilemma und Desaster sollte hier lediglich als Beispiel herhalten. Die Unterschiede werden in der Szene-Sequel-Struktur deutlicher, dazu wird es einen gesonderten Beitrag geben.

 

Fazit:

Haben die Figuren durch deren Entscheidungen keine Konsequenzen zu fürchten oder sind sie zu gering, haben sie keine Konflikte (auszutragen). Sind diese jedoch nachhaltig (Risiko bleibende Schäden oder lebensbedrohend), tja dann …

 

Bild: Schnappschuss im Yosemite Nationalpark (SF)

Ines Pischel

Ines schreibt unter anderem Krimis, Romanzen und Kurzgeschichten. In ihrem neuen Blog gibt sie (nicht nur) Schreibanfängern praktische und sofort anwendbare Tipps.

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