Merkmale eines starken weiblichen Charakters

der weibliche Hauptcharakter

 

Um zu erkennen, was denn eine starke Protagonistin ausmacht, müssen wir die Merkmale des Gegenteils kennen.

Wenn Du also folgende Charaktereigenschaften feststellst, hast Du keine starke weibliche Figur geschaffen, sondern lediglich ein … Weibchen.

  • Arroganz (alle doof außer mich)
  • Selbstüberschätzung (ich schaffe das allein)
  • Ablehnung (ich weiß alles besser)
  • Inkompetenz (mir haben alle zu gehorchen/zu folgen)

Diese Merkmale machen Deine Protagonistin nicht nur sofort unsympathisch, sondern – schlimmstenfalls – unrealistisch. Deine Leser werden so eine Person nicht mögen – weg damit. Hebe das für andere Figuren auf (z. B. Antiheld oder Gegner).

 

Merkmale eines starken weiblichen Charakters

 

Was haben Ellen Ripley (Alien), Clarice Starling (Das Schweigen der Lämmer) und Sarah Connor (Terminator) gemeinsam?

Sie verkörpern, was wahre Stärke ausmacht. Du könntest jetzt sagen: Muss nicht jeder Charakter stark sein, auch die männlichen? Das ist richtig, worauf will ich also hinaus?

Mir begegnen oft weibliche Charaktere, die entweder zu dämlich sind, einen Eimer Wasser umzukippen oder werden so unsympathisch dargestellt (s. o.), dass sie mir völlig gleichgültig sind. Die schlimmste Sorte ist das unglaubhafte Fräulein in Not.

Weiblichkeit hat nichts mit Schwäche zu tun.

Du kannst Deine Mädels körperlich zierlich und/oder klein kreieren, das ist absolut in Ordnung. Du brauchst keine Amazone oder Bodybuilderin, um sie stark zu machen. Ich spreche von der inneren Stärke, der Weisheit, der Kompetenz, zu führen sowie einer guten Portion Humor.

  • Ellen Ripley war bereits eine Kämpferin, aber ihre wahre Stärke bewies sie als Führerin eines gleichstarken Teams
  • Clarence Starling war nicht nur ehrgeizig, sondern ließ sich auch auf ein „Tänzchen“ mit einem gefährlichen Killer ein, doch sie überschätzte sich nicht und baute – vielleicht instinktiv – zusätzlich auf Ehrlichkeit
  • Sarah Connor wuchs über sich hinaus, als ihr bisheriges Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt wurde; sie war aber nicht so ignorant, um der Gefahr keinen Glauben zu schenken und wurde erst dann zur Kämpferin

 

Mach' Deine Protagonistin nicht zur Einäugigen unter den Blinden, indem Du die anderen Figuren schwach oder nutzlos machst.

Unabhängig von der körperlichen Erscheinung, dem Aussehen, der Entwicklung sowie der Fehler (die selbst die tollsten Charaktere haben sollten), fasse ich nochmal zusammen, worauf Du achten musst beim Kreieren einer starken Protagonistin:

  • mache andere Figuren nicht schwach, um sie stark erscheinen zu lassen
  • sie muss eine kompetente Führerin sein
  • sie weiß, was sie will und wie sie es erreicht
  • sie ist nicht einfach nur da, sie trägt die Geschichte
  • sie handelt diplomatisch
  • sie organisiert (s. Führerin)

 

Denke also immer daran: Ein starker Charakter = Eine starke Figur. Du kannst das Eine nicht vom Anderen trennen.

 

Bild: Schnappschuss in Las Vegas

 

 

Ines Pischel

Ines schreibt unter anderem Krimis, Romanzen und Kurzgeschichten. In ihrem neuen Blog gibt sie (nicht nur) Schreibanfängern praktische und sofort anwendbare Tipps.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.