Wie Du plumpe Setting-Beschreibungen vermeidest

Beschreibungen im Roman

 

 

Obwohl ich selbst noch viel lernen muss, war ich auch mal ein blutiger Anfänger, und glaube mir, ich habe geblutet wie eine abgestochene Sau.

Einen der typischen Anfängerfehler machte ich selbstverständlich auch.

Beispiel eins:

Die Coopers wohnen in Beverly Hills. Was habe ich fabriziert? Klar, gleich zu Beginn erstmal etwas über den Ort geschrieben: Da wohnen und leben die Reichen; es gibt berühmte Leute und teure Einkaufsstraßen (Rodeo Drive) …

Erst später erkannte ich diesen Unsinn. Erstens war es überflüssig (wem sagt Beverly Hills nichts?) und zweitens begann die Geschichte mit dieser Einführung und dann auch noch plump.

Beispiel zwei:

In Buena Park spielt ein Teil in einem Tattoo-Studio. Die Beschreibung erfolgte zwar erst im zweiten Kapitel, aber eben auch nicht gerade unterhaltsam bzw. realistisch.
Davon abgesehen, dass inzwischen viele Leser eine Vorstellung haben, wie so eine Bude aussieht, habe ich das Ding einfach nur beschrieben; zwar aus den Augen eines Charakters, der dort arbeitet, das macht es aber nicht besser. Wer beschreibt schon seinen eigenen Arbeitsplatz?
Die Hauptfigur (die im ersten Kapitel erscheint), hat diese Aufgabe später übernommen, da sie dieses Studio das erste Mal in Augenschein nimmt. Dafür ist im dritten oder vierten Kapitel genug Zeit und Gelegenheit.

Tipp:

Was nicht auf den ersten Blick sichtbar ist, kannst Du getrost später einbringen, erst recht, wenn es für den Verlauf (noch) nicht wichtig ist.

Hauptsache, Du beginnst erstmal.

Es ist auffällig, dass viele Autoren mit der Beschreibung des Umfeldes beginnen. Während in Kategorien wie Fantasy, Science Fiction oder in historischen Romanen themenbedingt relevant sein kann, dem Leser einen Einblick in unbekannte Welten zu geben, solltest Du es dennoch nicht übertreiben oder aus Bequemlichkeit nur erzählen.

Beginne mit der Hauptfigur:

  • Was tut sie?
  • Weshalb ist sie dort?
  • Was sieht/hört sie?

Falls Wetter, Tageszeit oder Temperatur wichtig für die Geschichte und/oder Deinen Charakter sind, deute es an, aber nur, wenn es – wie gesagt – eine entscheidende bzw. bedeutende Rolle spielt.

Noch zwei kleine no-no:

  • Beschreibe den Charakter nie aus der Ich-Perspektive. („Ich bin …“; „Ich habe …“)
  • Vorsicht auch bei sogenannten Techno-Thrillern oder anderem Technikkram. Hier kann schnell Langeweile aufkommen, nicht nur, weil es für den Beginn vielleicht langweilig ist, sondern viele Leser mit bestimmten Details eh nicht anfangen können.

 

Wie beschreibe ich also eine Umgebung?

Ich habe es schon oft betont: Du webst es ein, ganz gleich, ob Ort, Zeit, Wetter …

Du webst es ein!

Der Leser muss erstmal am Haken sein. Auch während des Verlaufs darf er nicht  aus der Handlung gerissen werden, aber genau das wird passieren, wenn Du Handlungen, Aktionen, Dialoge … vom Setting (bzw. dessen Beschreibung) trennst.

Du hast während des ganzen Romans – außer selbstverständlich am Ende – Gelegenheit dazu, selbst später noch, z. B. bei Orts- oder Zeitwechsel oder eine neue Figur kommt hinzu.

Was gibt’s noch für kleine Verfehlungen?

Viele Autoren schreiben nicht aus Sicht der Personen/Figuren, sondern aus ihrer Sicht.

Woran Du das erkennst?

Ein Charakter, der seinen Arbeitsweg, seine Wohnung, seine Freunde oder was auch immer aus dem FF kennt, wird das nicht beschreiben.

Tust Du das? Beschreibst Du (Dir) täglich solche Dinge? Nein? Weshalb sollte es im Roman anders sein?

Besser ist es, ein Ereignis zu kreieren, das den Charakter aus seiner alltäglichen Routine reißt.

Nehmen wir das Beispiel des üblichen (Arbeits-)Weges. Schon eine Umleitung durch Bauarbeiten oder einem Unfall liefert Dir Optionen. Zusätzlich hast Du – selbst zu Beginn der Geschichte – gute Möglichkeiten, unauffällig und fast nebenbei etwas über den Charakter rüberzubringen:

  • Flucht er?
  • Jammert er?
  • Ruft er jemanden an?
  • Verfährt er sich sogar?
  • Muss er umsteigen?
  • Muss er lange warten?

Zahlreiche Mittel, um ein Dilemma zu schaffen. Zum Beispiel kommt es bei einigen Ereignissen folgerichtig zur Verspätung.

Wenn Du den Faden weiterspinnen willst, bringe den Angerufenen ins Spiel und zeige dem Leser den Umgang miteinander.

Noch einige kurze Beispiele zur Charakterbeschreibung, die bei jeder Erzählerperspektive funktionieren:

  • Krawatte lockern (trägt der Charakter auch für gewöhnlich eine oder nur in Ausnahmefällen?)
  • Ärmel hochstreifen (ist das eine Angewohnheit oder ist es einfach unverhältnismäßig warm?)
  • Fluchen oder Jammern (Monolog/innerer Monolog)
  • Umgangston während des Dialoges (kurz angebunden oder spielerisch)
  • Der/die Angerufene geht nicht ans Telefon (ist das üblich – oder überhaupt nicht?)

Ebenso gehst Du beim Beschreiben des Setting vor, das ja Ort, Wetter und Zeit einbezieht:

  • „Hätte ich das gewusst, wäre ich nicht hierher gezogen.“
  • „Ist ja typisch.“ (Bauarbeiten)
  •  „Gerade heute muss es schneien.“
  • „Für die Jahreszeit ist es viel zu warm.“

Solche Situationen kannst Du beliebig ändern, ergänzen, anpassen oder erweitern. Es hängt immer vom Thema sowie der Zeit ab, in der Deine Geschichte spielt. Mir ist nur wichtig, dass Du die Basis eines gesunden Show kennst.

 

Fazit:

Wähle Beschreibungen gezielt. In welches Kapitel, in welche Szene passen sie?

Der bewährte Tipp, einen Entwurf längere Zeit liegenzulassen, wird nie an Bedeutung verlieren. Liest es sich gut oder bist Du über Info-Dump und Co. gestolpert?

Du lernst mit jeder Geschichte dazu (hoffe ich.) Ich wünsche Dir beim Überarbeiten ein glückliches Händchen.

 

 

Titelbild: Schnappschuss Landeanflug

 

Ines Pischel

Ines schreibt unter anderem Krimis, Romanzen und Kurzgeschichten. In ihrem neuen Blog gibt sie (nicht nur) Schreibanfängern praktische und sofort anwendbare Tipps.

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