Sollte man Genres mischen oder nicht? – Teil zwei

Romankategorien mischen

 

Ich verstehe, wenn Du sagst: „Ich möchte anders sein, mal was ausprobieren, Farbe in das Alltagsgrau des Schreibhimmels bringen …“

Aber solltest Du das? Wichtiger: Wie weit kannst Du dabei gehen? Es steht jedem Autor frei, wie und was er schreiben will. Ich rate dennoch – wie im ersten Teil bereits erwähnt – reichlich Erfahrungen zu sammeln und Dich mit den Kategorien zu befassen.

Kurze Wiederholung: Hauptkategorien (Genre) bestimmen, worum es in der Geschichte geht. Unterkategorien (Subgenre) bestimmen, wie und wo sich etwas abspielt.

Möchtest Du also lieber einen Mix aus sonstwas kreieren, musst Du wissen, was im Vordergrund stehen soll, d. h., was relevant für die Geschichte ist und ob das Setting noch passt. Dafür brauchst Du einen taffen Plan, sonst liest sich Deine Geschichte wie ein Patchwork-Konstrukt und nicht wie ein gut durchdachter Roman.

Denke auch daran, dass bei zwei Hauptkategorien immer eine die Oberhand hat. Entweder – oder.

  • Eine schlechte Wahl wäre eine Mischung Horror/Romanze/Komödie. Davon abgesehen, dass die Komödie zum Literarischen gehört, sind Horror und Romanze zwei eigenständige Hauptkategorien, die Lichtjahre voneinander entfernt sind.
  • Ebenfalls keine gute Wahl wäre Dystopie, wenn Du ein happy ending möchtest. Es könnte zwar funktionieren, da viele Leser ein happy ending bevorzugen, allerdings wirst Du mit berechtigter Kritik rechnen müssen, weil Du in diesem Moment mit dem Ende geschummelt hast. Die bessere Wahl wäre vielleicht Utopie.

Was Du versuchen kannst, ist eine Mischung verschiedener Unterkategorien, die Deiner Geschichte eine andere Richtung geben und diese dennoch nichts an Nachvollziehbarkeit einbüßt.

 

Sehen wir uns einige Beispiele an:

 

Liebesgeschichte oder Gesellschaftsroman?

Beide haben ähnliche Unterkategorien (Ehe/Bekanntschaft sowie Frauenschicksal/Lebensgeschichte).

Weltanschauung oder Moral?

Hier bieten sich die Unterkategorien Bildung/Reife sowie Wiedergutmachung/Erfolg an.

Action oder Western?

Hier könnte passen: Abenteuer, Duell und/oder Rache

Krimi oder Thriller?

Sehr dankbare Hauptkategorien, da sich bei diesen beiden die dazugehörigen Unterkategorien am meisten ähneln, z. B. Spionage, Gerichtssaal, Killer/Serienkiller sowie Ermittlungen bei Verbrechen.

 

Du siehst, Mischungen sind durchaus möglich, setzen aber eine gewisse Schreiberfahrung voraus. Es ist ja nicht nur für den Leser (evt.) wichtig, sondern nicht zuletzt für Dich, dem Autor. Vielleicht hast Du Dich gewundert oder zumindest gefragt, warum Du bei Deinen Manuskripten bzw. Entwürfen nicht weiterweißt. Du hast gemerkt, hier stimmt was nicht, kommst aber nicht dahinter, woran es liegt. Manchmal ist es tatsächlich „nur“ die falsche Kategorie.

 

Fazit:

Schreib‘, was immer Du willst, auf dem Buchmarkt scheint heutzutage alles möglich zu sein. Möchtest Du allerdings langfristig zufriedene Leser, verliere Dich nicht in einen Erotikthriller, der in der Zukunft auf einem Bauernhof oder einer Farm spielt und in dem über Esskultur und technische Errungenschaften debattiert wird.

 

 

Titelbild: Schnappschuss im Yosemite Nationalpark

Ines Pischel

Ines schreibt unter anderem Krimis, Romanzen und Kurzgeschichten. In ihrem neuen Blog gibt sie (nicht nur) Schreibanfängern praktische und sofort anwendbare Tipps.

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