Pausenlose Action ermüdet den Leser – Finde einen Rhythmus

 

 

Ich erinnere mich nicht an viele Szenen in Avenger 8, nur an eines: Zu viel Action. Es gibt sicherlich mehr dieser Sorte, mir blieb dieser Film aber besonders negativ im Gedächtnis.

Es war nicht nur ermüdend, sondern irgendwann langweilig.

Bitte erspare das Deinem Leser. Auch wenn ich mich in diesem speziellen Fall auf einen Film beziehe, gilt das für Romane selbstverständlich ebenso.

Wenn Du den Leser durch die Geschichte hetzt, wird oder kann er unter Umständen nicht mehr folgen. Schlimmer: Er wird es nicht wollen.

Gib ihm Gelegenheit zum Durchatmen, vielleicht sogar zum Nachdenken. Der Leser will sich in erster Linie unterhalten – keinen Infarkt erleiden.

Genauso wie sich Konflikte stets steigern sollen, braucht der Leser gleichzeitig und regelmäßig ruhige Abschnitte. Umso wirkungsvoller wird die nächste Action-Szene sein.

Das bedeutet nicht, dass in den Pausen nur erzählt wird, was für die Geschichte unwichtig ist oder – schlimmer noch – dass über lange Strecken gar nichts passiert.

 

Wie bringe ich einen guten Rhythmus rein?

Dem absoluten Anfänger wird das nicht gelingen – wie auch? Während die meisten eher ruhige Phasen schreiben, passiert anderen das Gegenteil.

Also, was tust Du?

Ich halte eine gute (Aufbau)Planung – gerade in diesem Fall – für unabdingbar. Selbst wenn Du zu den Autoren gehörst, die erstmal drauflos schreiben, wird Dir eine spätere und aufwendigere Überarbeitung nicht erspart bleiben.

Was Aktionen sind, wissen wir, oder? Wir sagen auch Handlungen/Geschehen dazu. Jedenfalls passiert etwas.

Kurz zusammengefasst bedeutet Aktion eine Handlung; und die dazugehörige Reaktion stellt die Ruhephase dar. Beides gehört zur Szene-Sequel-Struktur, zu der es im Blog noch einen spezifischen Artikel geben wird.

Im heutigen Beitrag geht es erstmal darum, ein Gefühl für einen gesunden Rhythmus zu entwickeln.

Vorher noch ein kleiner Tipp:

Lies einige Bücher – vorzugsweise aus Deinem Genre – und analysiere sie bewusst.

Achte auf spannende Momente, bei denen Du das Buch nicht weglegen wolltest. Wie lang waren diese Passagen bzw. Szenen? Musstest Du seitenweise eine Schlacht „erleben“? Dann achte auf die Ruhephasen. Wurden sie (irgendwann) zu lang? Haben sie Dich gar aus dem Geschehen gerissen?

Beide Szenarien haben demzufolge keinen guten Wechsel. Erfreut Dich aber eine Geschichte und unterhältst Du Dich gut, hat der Autor seine Aufgabe richtig gemacht, meinst Du nicht auch?

 

Wie lang sollte eine Ruhephase sein?

Hier spielt die Wörter- oder Seitenzahl keine Rolle, sondern der Inhalt. Zu vermeiden sind:

  • überflüssige Beschreibungen (die haben nichts mit einer guten Entspannung zu tun)
  • wahllos hingerotzte Rückblenden, die nicht zur vorhergehenden Szene passen

Das heißt nicht, darauf zu verzichten – im Gegenteil. Du kannst diese Pausen durchaus dafür nutzen, nur müssen sie halt passen und häppchenweise eingestreut werden, z. B.:

  • Ein Anruf oder ein mitgehörtes Gespräch kann bereits zur nächsten Szene führen, weil der Charakter ja auf das Gesagte reagieren will oder gar muss. Er macht sich Gedanken und schmiedet einen Plan (Ruhephase)
  • Eine vorerst harmlose Begegnung kann in eine Konfrontation ausarten, und schon hast Du auch hier Deine nächste Szene: Die nächste Begegnung verläuft bei Weitem nicht so harmlos und Dein Charakter muss handeln (Aktion)
  • Muss sich ein Charakter im Schrank oder sonstwo verstecken? Gelegenheit für eine Rückblende (Erinnerung)

Zugegeben, es sind allgemeine Beispiele, aber Du erkennst, worauf ich hinauswill.

Dein stärkster Unterstützer wird das show, don’t tell sein. Das ist der oft unterschätzte Unterschied zwischen langsam und/oder schnell. Eine gut geschriebene Reaktion zeigt die Emotionen der Charaktere.

Noch zwei kleine Beispiele:

Action: Dein Charakter wird vom Gegner verfolgt (funktioniert immer)
Entspannung: Geschieht dies per Auto, dämpft das ein wenig, er kann aber immer noch den nächsten Schritt planen. Rennen beide, gib dem Charakter die Möglichkeit, eine versteckte Seitenstraße oder eine belebte Bar zu finden. Er kann nicht nur verschnaufen, sondern sogar jemanden benachrichtigen.

Action: Ein lautstarker Streit, der in eine Schlägerei ausartet.
Entspannung: Eine verbale Auseinandersetzung sollte sich sowieso nicht ziiiiieehen, und eine Schlägerei endet ja auch mal. Gelegenheit also, sich die Wunden zu lecken und auch hier den nächsten Schritt zu planen.

 

Was meinst Du jetzt? So sieht es schon besser aus, oder?

 

guter Rhythmus

 

Wenn Du Dir also bis jetzt noch nie Gedanken darüber gemacht hast, wäre es an der Zeit.

Ein guter Wechsel zwischen schnell und langsam, zwischen Action und Entspannung ist essentiell für ein unbeschwertes Lesevergnügen.

Alles ist selbstverständlich – wie so oft – von der gewählten Kategorie abhängig. Ein typischer Krimi wird sich mehr um das Verbrechen und die Ermittlungen, also Action, drehen, während es in einer Liebesgeschichte etwas ruhiger zugehen darf, da es ja mehr um die Gefühle der Beteiligten geht.

Hast Du Dich nicht auch schon gefragt, weshalb manche Romane trotz einem armseligen Schreibstil erfolgreich waren bzw. sind? Erwiesen sich die Autoren als gute Geschichtenerzähler? Möglicherweise ja. Was ihnen jedoch sicherlich gut gelang, war ein richtig abgestimmter Erzählrhythmus.

Ich bin auch kein Meister, der vom Himmel gefallen ist, und dem eine gesunde Mischung einfach so gelingt. Deshalb frage ich meine Testleser unter anderem auch:

  • War die Geschichte langweilig?
  • War die Geschichte unterhaltsam?
  • Was war zu viel?
  • Was kam zu kurz?

Beantworten Deine Testleser (Du hast doch welche?) solche Fragen ehrlich und kritisch, hast Du Deine Antwort. Auch wenn vieles geschmacksabhängig ist, sollte Dich ein Verhältnis 5:2 (für weniger gut) stutzig machen.

Du willst doch später nicht zu den Autoren gehören, von denen die Kritiker sagen: Es hat sich holprig gelesen.

 

Fazit:

Einen guten Rhythmus zu finden, ist ein schwieriges Unterfangen und bedarf Schreiberfahrung. Dies gelingt Dir nur mit viel Praxis.

Also praktiziere! Deine Leser werden es Dir danken.

 

Titel- und Beitragsbild: Wasserspiele vorm Bellagio in Las Vegas

Ines Pischel

Ines schreibt unter anderem Krimis, Romanzen und Kurzgeschichten. In ihrem neuen Blog gibt sie (nicht nur) Schreibanfängern praktische und sofort anwendbare Tipps.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.