Entwickle das Rad nicht neu, erweitere es

Schreibideen entwickeln

 

Szenario eins

Ich saß in der Straßenbahn und bemerkte einige Meter vor mir eine Frau, die mir sofort auffiel. Warum? Sie passte nicht ins Bild. Die Mehrheit der Leute war unauffällig gekleidet, lasen, schauten aus dem Fenster oder quatschten. Ein alltägliches Bild.

Nicht so diese Frau. Sie war nicht nur topp gekleidet und sorgfältig frisiert; sie strahlte zusätzlich eine Unnahbarkeit aus, die sie von den anderen Fahrgästen distanzierte.

Eine Idee für eine Geschichte war geboren: Diese Frau gehört zur High Society und bekommt die Rolle der Antagonistin.

 

Szenario zwei

Ich stand an einer Haltestelle und beobachtete einen jungen Mann, der ebenfalls auf den Bus wartete. Doch was war es, das meine Aufmerksamkeit auf ihn lenkte? Zunächst sein Äußeres – dunkle Kleidung und tätowiert. Das inzwischen veraltete Klischee, solche Leute haben nur Mist im Kopf wurde schon durch Mark Benneke widerlegt; so auch bei diesem jungen Mann.

Er telefonierte und ich hörte interessiert zu – es ging um IT, EDV und anderes. Ich habe Null verstanden, ist allerdings auch nicht mein Metier. Was mich positiv überraschte war die feine Aussprache und die Ruhe, die er während des Gespräches ausstrahlte.

Die nächste Idee für eine Geschichte war geboren: Es geht um ein Grüppchen junger Männer, die gemeinsam ein Tattoo-Studio betreiben. Wohlgemerkt, das ist lediglich das Setting, aber der Grundstein war gelegt.

 

Warum erzähle ich das?

Ich höre und lese oft, dass viele gern schreiben möchten, aber nie wissen, was oder worüber. Sie haben keine Idee(n). Dabei ist es gar nicht so schwierig, das Zauberwort heißt Beobachtung.

Ich habe bereits einige kreative Schreibideen für Dich aufbereitet, z. B. Horror oder Grusel, Krimi oder Thriller oder Fantasy/Supernatural, Abenteuer und Romanze

Darum geht es aber in diesem Beitrag nicht vordergründig. Heute möchte ich Dir (nochmal) dringend ans Herz legen wie ein Geschichtenschreiber/-erfinder zu denken. Du bist kein Biograph, Du bist kein Reporter und Du schreibst keine wissenschaftlichen Expertisen oder was auch immer.

Du schreibst Fiktion.

Was heißt das im Klartext? Du (er)findest Geschichten, einschließlich der Charaktere, deren Handlungen, dem Setting, der Dialoge und und und. Weshalb fällt es aber einigen so schwer, neue Ideen zu finden?

Einfache Antwort: Es gibt keine.

Jetzt wird aber der Hund in der Pfanne verrückt. Wie kann das sein und was mach‘ ich jetzt?

Du kannst, wie eingangs erwähnt, zahlreiche Ideen durch blanke Beobachtung entwickeln, bereits Dagewesenes neu mischen oder Dir Inspiration von Bildern holen  Hast Du Lieblingsbilder? Mach eine Geschichte draus

Das hat überhaupt nichts mit Klauen zu tun, denn neue Ideen gibt es nicht (mehr).

Deine Geschichte kann sich dennoch wie neu lesen. Ausschlaggebend ist nämlich Deine Art, Geschichten zu erzählen bzw. zu schreiben. Es wird Dein Schreibstil sein, Deine Charaktere, die Deine Geschichte einzigartig machen.

 

Tipp:

Lies bei anderen Autoren nach, wie sie zu ihren Ideen kamen und nimm Dir Anregungen daraus.

 

Was hast Du noch für Möglichkeiten?

Zappelst Du immer noch auf Deinem Stühlchen und zweifelst, ob Du jemals was zustande bringst? Verzage nicht, ich habe noch mehr Tipps.

  • Nimm Dein Umfeld bewusst wahr (wichtig für’s Setting)
  • Versetze Dich in die Lage Deiner Kollegen; Freunde … (Hast Du Dir je gewünscht, diese hätten sich manchmal anders verhalten? Was würdest Du in bestimmten Situationen tun?)
  • Wen könntest Du Dir als Gegner in Deiner Geschichte vorstellen? Wäre es nicht ein beglückender Schreib-Bonus, dem Einen oder Anderen mal so richtig eins draufzugeben?
  • Flutscht es nicht mit reellen Leuten, krame in Deinem Gedächtnis. Du wärst nicht die erste, die aus Erinnerungen und/oder Erlebtem eine interessante Geschichte spinnt

 

Trage stets etwas zu Schreiben bei Dir, Du wirst es brauchen

 

Die besten (und meisten) Ideen liegen auf der Straße, manchmal wortwörtlich. Schon mal bemerkt, was die Leute so verlieren? Könnte der eine oder andere Gegenstand nicht wichtig sein? Stell‘ Dir vor, Deinen Ausweis oder Schlüssel zu verlieren.

Wenn Du mit dem Auto fährst, ist eine Ideenfindung eingeschränkt, aber nicht unmöglich. Bist Du zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, ist das Speiseangebot diesbezüglich unerschöpflich.

Während beim Autofahren oft nur ein erzwungener Stopp zum Erforschen des Umfeldes gelingt, hast Du anderweitig einen wahren Schatz an Gelegenheiten, z. B.:

  • an Haltestellen
  • an Bahnhöfen
  • beim Einkaufen
  • auf Spielplätzen
  • im Zoo
  • in Parks

Nimm Dir tatsächlich mal die Zeit, Dich an belebten Plätzen niederzulassen und Umfeld sowie Leute auf Dich wirken zu lassen. Schreib‘ alles auf, auch wenn es Dir in diesen Momenten noch so überflüssig oder gar albern erscheint. Du weißt nie.

Nebenbei: Fixiere Dich nicht nur auf die Hauptfiguren, gut entwickelte Nebenfiguren bringen Pluspunkte.

Wenn Du fleißig sammelst, werden Dir die Ideen nie ausgehen, davon bin ich überzeugt. Du musst lediglich einige Anstöße und Tipps beherzigen.

Wichtig:

Packe nicht zu viele Ideen in eine Geschichte, es muss ja letztendlich alles zusammenpassen. Arbeite fleißig an Deinem Schreibstil. Erfahrene Schreiber werden wissen, was ich meine, und ich kann es nicht oft genug betonen: Praxis macht es perfekt.

 

Mit diesen kleinen Anregungen verabschiede ich mich für heute und wünsche gutes Gelingen.

 

Beitragsbild: Rad von da Vinci (Leonardo da Vinci Museum Florenz)

 

 

 

Ines Pischel

Ines schreibt unter anderem Krimis, Romanzen und Kurzgeschichten. In ihrem neuen Blog gibt sie (nicht nur) Schreibanfängern praktische und sofort anwendbare Tipps.

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