Nahtlos aufgebaut – Szene-Sequel-Struktur

szene sequel struktur

 

Du hast sicherlich schon davon gehört oder etwas darüber gelesen: Die sogenannte Szene-Sequel-Struktur.

Was ist das? Was verbirgt sich hinter diesem schwierig anmutenden Konstrukt? Szene und Sequel bilden eine Einheit, die zu einer gesamten/einzelnen Szene gehören. Ich werde sie nachfolgend als (Gesamt)Szene bezeichnen.

Bevor wir tiefer eintauchen, hier erstmal die zusammenfassende Darstellung:

 

Szene:

  • Ziel (Charakter hat ein Ziel bzw. einen Wunsch)
  • Konflikt (Charakter erfährt ein Hindernis)
  • Desaster (Charakter ist – vorerst – nicht in der Lage den Konflikt zu lösen)

Sequel:

  • Reaktion (Charakter reagiert emotional auf das Desaster)
  • Dilemma (Charakter muss eine Lösung finden)
  • Entscheidung (Charakter setzt sich ein neues Ziel)

 

Du weißt, was jetzt kommt, nicht wahr? Mit dem Wissen/der Erkenntnis, es muss ja weitergehen, fasst der Charakter das nächste Ziel ins Auge und das Karussell dreht sich weiter – die nächste/eine neue (Gesamt)Szene beginnt.

 

Schritt für Schritt – So baust Du Deinen Roman auf:

Wie Du siehst, sind Szenen und Sequels in drei Teile gegliedert, die jeweils eine Aufgabe haben.

Sehen wir uns das näher an.

 

Das Ziel

Hier beginnt alles – jede Geschichte, jede (Gesamt)Szene. Dein Charakter hat ein Ziel, das er erreichen will bzw. einen Wunsch, den er sich erfüllen möchte. Das können durchaus kleine Dinge sein, auch wenn es für den Beginn der Geschichte besser ist, dem Leser das Hauptziel zu nennen. Wichtig ist nur:

Kein Ziel – Kein Zweck

Wenn Du gut bist, wird Dein erster Satz bereits das Ziel/den Wunsch zeigen.

Nun wissen wir, der Charakter darf das Ziel nicht (sofort) erreichen. Was brauchen wir also? Richtig, trouble.

 

Der Konflikt

Oh, jetzt wird es spannend. Einen guten, glaubhaften Konflikt zu kreieren, ist ein schwieriges Element. In meinem Beitrag Lege Deinem Protagonisten Steine in den Weg habe ich einige Vorschläge für Dich.

Durch den Konflikt – wir könnten es auch Hürde nennen – haben wir ja erst eine spannende Geschichte, sprich, auch eine gute Szene. Der/die Gegner kommen ins Spiel und wollen oder müssen das Gelingen verhindern.

Achte aber darauf, nicht irgendetwas reinzuwerfen, nur weil Du weißt (Du hast mal sowas gelesen oder gehört), Deinem Charakter muss was im Weg stehen. Jeder noch so kleine Konflikt muss im Zusammenhang mit dem großen Ziel stehen und sich dadurch Szene für Szene der Lösung nähern.

 

Das Desaster

Ich persönlich finde, dieser Punkt erhält manchmal zu viel Aufmerksamkeit. Der Anfänger ist bemüht, diesen unbedingt zu befolgen und gerät zwangsläufig selber in ein Desaster.

Hier kommt es sehr auf die Kategorie an. In einem Krimi könnte ein Beweis vernichtet sein, ein Zeuge verschwinden oder das nächste Opfer gefunden werden – die Ermittlungen kommen ins Stocken. Ein Abenteuerroman oder ein Thriller bieten ebenfalls mehr Stoff, was tust Du aber bei einer Romanze, die eh mehr auf Sequels baut?

Es ist also keine Schande, das Desaster wegzulassen oder stark zu kürzen, z. B.: „Verdammt nochmal.“ oder: Er hätte nie für möglich gehalten … gehören nämlich bereits zum Sequel.

 

Die Reaktion

Jetzt kommen die Gefühle ins Spiel. Jetzt ist Gelegenheit für Rückblenden und/oder Trigger. Hier zeigen wir dem Leser, wie der Charakter auf den Konflikt bzw. das Desaster emotional reagiert. Eine hervorragende Möglichkeit, dem Leser Deine Charaktere näherzubringen, sie (noch) besser kennenzulernen. Das betrifft nicht nur den Protagonisten, sondern ebenfalls den Gegner.

Du sagst das dem Leser aber nicht, Du zeigst es. Es gibt zahlreiche Beispiele einer körperlichen Reaktion, s. auch: Charaktere und deren Körpersprache

Wichtig: Jede körperliche Reaktion sollte natürlich aufgebaut sein. Lasse den Charakter also nicht erst nachdenken und dann in Schockstarre fallen. Da haut was nicht, oder?

Wie immer Dein Charakter reagiert, ob er zornig oder traurig wird, ob er ins Grübeln kommt oder …; es führt zwangsläufig zum nächsten Punkt.

 

Das Dilemma

Wie wir anfangs feststellten, muss der Charakter eine Lösung finden, die für ihn, seine Familie oder Freunde die beste ist. „Was mache ich jetzt?“ oder „Welches ist das kleinere Übel?“ Solche oder ähnliche Fragen entstehen (sollten es zumindest), die der Charakter sich stellt. Er will selbstverständlich raus aus einer verzwickten Situation, sich allerdings auch nicht weiter reinreiten. Er grübelt, vielleicht fragt er auch jemanden, aber – wie gesagt – eine Lösung muss er.

 

Die Entscheidung

Nachdem Dein Charakter nun so vor sich hin gegrübelt (übertreibe es aber nicht, indem Du es unnötig in die Länge ziehst) bzw. sich anderweitig Gedanken gemacht hat, ist sie gefallen: die Entscheidung. Dein Charakter glaubt, die richtige Lösung gefunden oder eine gute Wahl getroffen zu haben (was Du als Autor selbstverständlich nicht zulässt) und plant sein nächstes Ziel.

Mit dem neuen Ziel bzw. einem neuen Wunsch beginnt folgerichtig die nächste (Gesamt)Szene.

 

 

So, da haben wir sie – die Szene-Sequel-Struktur.

War’s schwer? Ist sie schwierig? Könntest Du diese Reihenfolge immer beachten?

Gehe Deine Manuskripte Schritt für Schritt durch. Findest Du die Punkte?

Falls Du noch kein Manuskript geschrieben hast, nimm Dir einfach mal ein Buch und versuche zu analysieren wie es aufgebaut ist. Liest es sich fließend? Geht eine (Gesamt)Szene nahtlos in die andere über?

Vielleicht bist Du das eine oder andere Mal über eine Geschichte gestolpert, bei der Du dachtest: Hmm, jetzt bin ich aus dem Konzept, worum ging es nochmal? Oder es las sich so holprig, weil z. B. Szenen derart zerrissen waren, dass es irgendwann kein Lesegenuss mehr war. Das lag mit Sicherheit an einer mangelhaften Szene-Sequel-Struktur.

 

Hast Du bereits Erfahrungen diesbezüglich sammeln können, oder siehst Du das sogar völlig anders?

 

Beitragsbild: Schnappschuss in San Francisco

Ines Pischel

Ines schreibt unter anderem Krimis, Romanzen und Kurzgeschichten. In ihrem neuen Blog gibt sie (nicht nur) Schreibanfängern praktische und sofort anwendbare Tipps.

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