Wie wir Infodump geschickt vermeiden

 

Infodump vermeiden

 

Für die Fortgeschrittenen unter uns sicherlich kein unbeschriebenes Blatt, wer aber noch am Anfang steht, fragt sich: Was ist Infodump? Was soll ich darunter verstehen?

Infodump steht – kurz gesagt – für: a) Information und b) Auflistung/Depot …, das heißt, wir bieten dem Leser zu viele Informationen auf einmal an. Viele Autoren (manche mögen es halt so), aber besonders Anfänger (sie wissen es oft noch nicht besser), neigen dazu.  

 

Was können wir tun, um das zu vermeiden?

Als erstes stellst Du Dir diese beiden Fragen:

  • Muss der Leser zu Beginn der Geschichte das Aussehen Deiner Charaktere im Detail kennen?
  • Ist eine umfangreiche Beschreibung der Umgebung (Setting) jetzt schon notwendig?

Nein, das langweilt. Warum? Der Leser sollte erstmal die Gelegenheit bekommen, Deine Figuren zu mögen. Gerade sehr wichtig für den Protagonisten; wenn Du das nicht schaffst, ist dem Leser der Rest schlimmstenfalls egal. Wirf dem Leser nicht Brocken, sondern immer nur Bröckchen hin.

 

Wie verwandelst Du Informationen Stück für Stück in Szenen?
  • Zieht sich ein Charakter an (Vorsicht vor sogenannten Wäschelisten!), lass‘ ihn ein bestimmtes Stück wählen. Mag er es/mag er es nicht – und warum? Muss er erst lange nach einem sauberen T-Shirt suchen oder genügt ein Griff in den geordneten Kleiderschrank? Was sagt das über ihn aus?
  • Bevorzugt Deine Heroine viel Schmuck, lass‘ sie in einer Schatulle wühlen oder gar einen ihrer Lieblings-Ohrringe vermissen (Auweia, wo könnte der sein?) Ist sie einfach nur liederlich oder hat sie tatsächlich ein schlechtes Gewissen? Trägt sie lieber flaches Schuhwerk, weil es bequem ist oder weil sie sehr groß ist?
  • Fährt Dein Charakter nicht gern Auto, lebt aber in einer Großstadt (Setting) und muss fahren, weil er einen Job hat, den er – logischerweise – braucht oder sogar liebt? Lass‘ ihn schimpfen, z. B., über den Stau (Erzählstimme). Vielleicht braucht ein entfernt wohnender Freund Hilfe und er zögert selbstverständlich nicht (Sympathie/Empathie)?
  • Ähnlich gehen wir bei Gebäuden/Einrichtungen/Räumen vor. Gib dem Leser erste/wichtige Informationen immer durch die Augen des Charakters; das macht eine Szene lebendig (Show, don’t tell). Beachte auch, dass Menschen, die einen Raum usw. das erste Mal betreten, oft nur Bruchstücke wahrnehmen. Eine umfangreiche Beschreibung wäre nicht nur langweilig, sondern sogar unrealistisch, es sei denn, sie sehen sich bewusst genauer um (berufsbedingt).

Es ist nicht immer notwendig, beim ersten oder zweiten Entwurf pingelig zu sein, das wird wahrscheinlich auch gar nicht funktionieren. Wichtig ist, dass Du beim Überarbeiten alles sorgfältig durchdenkst und – gegebenenfalls – den Rotstift ansetzt. 

 

Was meinst Du? Gehst Du auch so vor? Wie bringst Du Informationen und/oder Beschreibungen in Deinen Geschichten unter?

 

Bild: Schnappschuss in Manhattan (NYC)

 

 

 

Ines Pischel

Ines schreibt unter anderem Krimis, Romanzen und Kurzgeschichten. In ihrem neuen Blog gibt sie (nicht nur) Schreibanfängern praktische und sofort anwendbare Tipps.

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