Sollte man Genres mischen oder nicht? – Teil eins

wieviel subgenre gibt es

 

Stell‘ Dir vor, Du kaufst bei Deinem Lieblingsbäcker wie gewohnt ein Mischbrot, und er sagt: „Heute haben wir etwas Besonderes für Sie. Wir haben mal zur Abwechslung Smarties reingemischt.“

„Ehm … Ich denke nicht, dass ich das will. Ich nehme was anderes.“

„Oh.“ Der Bäcker dreht sich zur Auslage. „Wir hätten noch Schwarzbrot mit Rosinen.“

„Nein.“

„Weißbrot mit Spinat?“

Du wischst Dir den Schweiß von der Stirn und wagst einen letzten Versuch. „Sind die Brötchen wenigsten wie immer?“

 

Was hat der Bäcker falschgemacht?

Er ist übers Ziel hinausgeschossen. Er hat Mischungen kreiert, die für einige annehmbar sein mögen, aber für die Mehrheit? 

Genauso sollten wir mit den Kategorien verfahren. Während bei einigen ein Mix noch akzeptabel (und machbar) ist, kann es bei anderen gehörig nach hinten losgehen.

Du weißt, was Kategorien sind, ja? Sieh nach, wenn Du damit noch unvertraut bist. Ohne Kategorie bietest Du dem Leser nur Eintopf

Ich möchte Deine kreativen Flügel nicht stutzen, aber Kategorien heißen nicht umsonst so. Nenn‘ sie von mir aus auch Genre, Gattung, Art oder sonstwie. Das Resultat ist dasselbe.

Ordnest Du Deine Geschichte einer bestimmten Kategorie zu, weiß der Leser, was er erwarten darf.

Gewöhnlich gehört zu jeder Hauptkategorie eine entsprechende Unterkategorie. Diese festzulegen und dem Leser zu verdeutlichen, kann relevant für dessen Kaufentscheidung sein.

Ich habe von Unterkategorien gelesen, die – salopp gesagt – Blödsinn sind. Die fantastischsten (oder sollen wir sagen, fantasievollsten?) erlebe ich bei der Hauptkategorie Krimi. Was hat die moderne Buchlandschaft nicht für wundersame Kreationen hervorgebracht:

 

Regionalkrimi

Krimi oder Reiseführer, was denn nun?

Genusskrimi

Was ist das? Kann man das essen?

Landhauskrimi

Sagt mir lediglich, es spielt wahrscheinlich in einer ländlichen Gegend, aber was soll ich damit anfangen?

Gerichtsmedizinischer Krimi

Davon abgesehen, dass der Begriff falsch ist, ist Rechtsmedizin noch lange keine eigenständige Unterkategorie.

 

Weitere Beispiele, die entweder Hauptkategorien zusammenwürfeln oder ebenfalls schlichtweg nur das Setting wiedergeben (wie oben):

Actionthriller

Action und/oder Thriller sind eigenständige Hauptkategorien.

Erotik

Gehört nur bedingt zur Romanze. Es ist besser, sich hier zu entscheiden, vor allem im Hinblick auf die Zielgruppe.

Love und Landscape

Was für ein Humbug. Das ist weder Fisch noch Fleisch.

Cyperpunk

Wahrscheinlich bin ich für so einen neumodischen Mist zu alt. Kann mir jemand bitte erklären, was ich darunter verstehen soll?

 

Ich könnte noch weitermachen, aber ich sage es deutlich: Bei so viel überschäumender Fantasie ist mir Eure und meine Zeit zu schade.

Hast Du solche Blüten schon mal in einem Buchladen gesehen?

 

Merke: X-beliebige Kategorien/Unterkategorien machen Deine Geschichte nicht interessanter.

Wenn der Autor nicht einmal die Kategorien kennt und einordnen kann, wie will er der Leserschaft verklickern, worum es tatsächlich geht?

Die eindeutige Zuordnung kann (und wird) aber auch Dir – dem Autor – behilflich sein, sich nicht zu verrennen und den Fokus auf die ursprüngliche Idee zu verlieren.

 

Fazit:

Anfängern rate ich freundschaftlich, nicht gleich in die Vollen zu gehen. Mach‘ Dich mit den Genres vertraut, Zeit für Experimente hast Du später auch noch. Mach‘ Dir erst einen Namen als Autor, der nicht nur gern gelesen wird, sondern den die Leser weiterempfehlen. Bau Deine Zielgruppe auf, aber vorher? Hände weg von solchen Experimenten.

 

 

Titelbild: Schnappschuss in Manhattan.

Ines Pischel

Ines schreibt unter anderem Krimis, Romanzen und Kurzgeschichten. In ihrem neuen Blog gibt sie (nicht nur) Schreibanfängern praktische und sofort anwendbare Tipps.

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