Der dreidimensionale Charakter

dreidimensionale Figuren

 

Was verstehen wir unter dem Begriff: Dreidimenional?

Sicherlich hast Du diesen Ausdruck schon gehört oder in einigen Rezensionen gelesen: Die Charaktere/Figuren waren eindimensional. Nun ist es ja immer auch der Geschmack der Leser, der so ein Urteil fällen lässt, doch wenn viele Leser so denken, ist wahrscheinlich was dran.

 

Was können  – oder sollten – wir also tun?

Richtig, wir geben unseren Charakteren eine ausführliche Biographie. Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig diese ist, warum, wirst Du an der Aufstellung erkennen. 

 

Allgemeines

 

Name:

Achtet immer auf einfache und gut zu merkende sowie zum Setting passende Namen. Schwierig auszusprechende oder extrem außergewöhnliche Namen finden Leser nicht immer toll.

Vorname: 

Auch hier bitte nicht übertreiben. Versucht, Doppelnamen zu vermeiden, es sei denn, Du möchtest einen Charakter hervorheben (das sollte aber eine Ausnahme sein).

Spitzname:

Eine gute Möglichkeit, dem Leser den Charakter näherzubringen.

Geb.datum/Alter: 

Legt besonderes Augenmerk auf Beruf/Tätigkeit. Einige Berufe haben logischerweise eine längere Ausbildungszeit und sollten dem Alter entsprechen (z. B. Arzt).

Augenfarbe: 

Hier gibt es ja nicht viele Optionen. Verleiht Euren Hauptcharakteren eine eher „bemerkenswerte“ Augenfarbe, achtet aber auf Doppelungen, z. B.: smaragdgrün oder braune Rehaugen.

Haarfarbe: 

Eine gute Möglichkeit, die Figuren spezifisch zu gestalten

Frisur: 

Ein nicht zu unterschätzender Punkt. Durch die Vielfältigkeit in der heutigen Zeit sind der Fantasie (fast) keine Grenzen gesetzt, eine Figur durch dessen Frisur zu charakterisieren. 

Größe/Statur:

Seine Größe kann niemand beeinflussen. Du hast aber die Möglichkeit, Deinen Charakteren deren Statur „mitzugeben“. Ist einer durchtrainiert oder lässt er sich eher gehen? Kleine Frauen/großgewachsene Frauen – was tragen sie für Schuhe?

Familie:

Hier packst Du die ganze bucklige Verwandschaft rein.

Freunde:

Sind Freunde für die Handlung wichtig? Wenn nicht, zwinge sie nicht rein. Wozu? Hier sind ein oder zwei oft ausreichend, zumal Du ja auch den Freunden ein Aussehen geben möchtest.


Beziehungen:

Hatten oder haben Deine Figuren Beziehungen? Waren sie mal wichtig? Haben Sie Auswirkungen bis heute/zum aktuellen Geschehen? 


Ausbildung:

Dazu kannst Du auch Bildung/Weiterbildung zählen. Wählst Du ein Thema mit sozialen Brennpunkten, kann das ein ausschlaggebender Faktor sein.


Arbeit/Job/Beruf/Hobbies:

Diesen Punkten kann man nicht genug Aufmerksamkeit schenken. Du kannst dadurch unglaublich vieles von Deinen Figuren preisgeben, z. B. Leidenschaft bei der Arbeit/dem Job, Freude am Beruf (oder nicht), ein teures Hobby (das die Finanzen übersteigt) und und und. Auch hier: jede Menge Konfliktmaterial.

 

Spezifisches

Vorlieben/Abneigungen: 

Damit ist eigentlich alles gemeint: Essen, Kleidung, Schmuck … Lass Deine Charaktere mit anderen „zusammenprallen“, wenn sie aufeinandertreffen (auf Arbeit oder in WGs), wo sich möglicherweise große Differenzen auftun.

Ängste:

Dein Charakter hat bestimmte Ängste, z. B. eine Phobie oder er hat in einer schwachen Stunde einem Freund/einem Partner ein Geheimnis anvertraut. Was, wenn die Freundschaft/Partnerschaft zerbricht und Dein Charakter immer bibbern muss, dass da etwas ausgeplaudert wird? Gutes Krimi Material.

Erinnerungen (gute/schlechte):

Was löst beim Charakter Trigger aus? Wird er zu Weihnachten jedes Mal depressiv, weil er vor Jahren jemanden Liebes verloren hat? Erinnert er sich bei erfolgreichem Schul-/Studium-Abschluss seiner Kinder gern an seinen eigenen Erfolg?

Beherrschende Leidenschaft:

Sehr schwierig, denn das ist vom Inhalt/Thema der Geschichte abhängig. Versuche, etwas zu finden, das Deinen Charakter obsessiv macht.

Fehler/Schwächen:

Ich denke, das sind ebenfalls Punkte, die man nicht verallgemeinern kann/sollte. Um aber Konflikte daraus zu schmieden, gib Deinem Protagonisten eine Schwäche, die der Antagonist (der Gegner) voll ausschöpfen kann.

Gewohnheiten:

Hier packst Du alles rein, was Deinen Charakter einzigartig/spezifisch macht. Das kann schon eine merkwürdige Aussprache/ein Dialekt sein, oder – falls er sehr reinlich/ordentlich ist – ständig anderen hinterherräumt. Vielleicht findest Du sogar einen Spleen, den man nicht so oft bei anderen liest.

Geschmack:

s. Vorlieben/Abneigungen

 

Zusätzliches

Vielleicht hast Du schon mal vom Charakter-Code gehört. Gemeint ist, dass jemand (in diesem Fall Deine Figur) etwas für sich festgelegt hat, dem er nie zuwiderhandeln würde. Beispiel: ein Mann/Junge würde nie eine Frau/ein Mädchen schlagen bzw. anderweitig Gewalt anwenden, oder jemand weiß ein düsteres oder gar gefährliches Geheimnis und will das selbstverständlich bewahren. Muss er aus nachvollziehbaren Gründen diesen Code brechen, gerät er selbstverständlich in Konflikt.

Du kannst Deinen Charakteren auch ein No-No mitgeben. Das ist ähnlich dem Charakter-Code, nur dass es hier um persönliche Dinge geht, die besser zu Vorlieben/Abneigungen passen, z. B. sich nie ein Tattoo stechen zu lassen.

 

Fazit

Du siehst schon, eine ausgefeilte Biographie bringt nicht nur Dir und dem Leser Deine Figuren näher, sie bietet auch jede Menge Konfliktmaterial.

 

Kleiner Tipp:

Sammle auch hier so viele Ideen wie möglich. Mische die Charaktere, vor allem, wenn sie in großer Anzahl vorhanden sind, oder wenn Du gar mehrere Bücher planst. Damit vermeidest Du, dass sie sich in Aussehen und/oder Verhalten zu sehr ähneln.

 

Bild: Alice in Wonderland, Central Park/Manhattan (NYC)

Ines Pischel

Ines schreibt unter anderem Krimis, Romanzen und Kurzgeschichten. In ihrem neuen Blog gibt sie (nicht nur) Schreibanfängern praktische und sofort anwendbare Tipps.

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