Details im Roman – überflüssig oder notwendig? Teil zwei

weinger ist mehr

 

 

Im ersten Teil hast Du bereits viele Optionen kennengelernt, die Du hoffentlich nutzen und umsetzen kannst.

 

Was hast Du noch für Möglichkeiten?

Deine stärkste Waffe ist der Dialog. Nicht nur wie und was gesagt wird, auch was ungesagt bleibt. Viele Autoren verschenken hierbei die besten Gelegenheiten, da diese nicht nur die Figur charakterisiert, sondern zusätzlich Spannung reinbringt.

Schade.

Nutze Deine Kreativität, gib Deinen Figuren Spitznamen und/oder Kosenamen. Es sagt nicht nur etwas über die Person aus, die ihn erhält, sondern ebenso über die Person, die ihn vergibt bzw. verwendet. Sind sie nett, liebevoll, albern oder gar sarkastisch?

Desweitern kannst Du Vorlieben und Abneigungen zeigen:

„Ich mag nur Tee.“
„Ich lehne Fertignahrung ab.“
„Mich findest du meistens in der Bibliothek.“
„Mit Brokkoli kannst du mich jagen.“

Ein bestimmtes Verhalten kann Fragen aufwerfen:

  • trinkt jemand viel (hat er Kummer oder ist er gar Alkoholiker?)
  • trinkt er eher weniger (ist er Genussmensch oder lehnt er Alkohol gar ab; weshalb? Schlechte Erfahrung?)
  • mag er kein Fleisch, aber Fisch (offensichtlich ist er kein Vegetarier, weshalb also kein Fleisch?)

Weitere Beispiele:

  • ist Dein Charakter koffeinsüchtig, zeige es, indem er vor der blubbernden Kaffeemaschine steht und mit den Fingern trommelt (die passende Oberfläche bringt noch einen Pluspunkt!)
  • liebt Dein Charakter Süßes, zeige das in seinem Kaufverhalten oder lasse ihn sehnsüchtig durch’s Schaufenster einer Konditorei blicken (macht er gerade eine Diät? Ist er Diabetiker?)
  • kocht er leidenschaftlich gern, lasse ihn das Internet nach neuen Rezepten/Ideen suchen

Untermalst Du das mit Dialogen oder auch mal mit einem inneren Monolog, kannst Du mit wenigen Sätzen viel aussagen.

 

Wie zeigst Du dem Leser, wie Charaktere zueinander stehen?

Wie schreibst Du das, hm?

  • Sie fand ihn langweilig.
  • Er konnte ihn noch nie leiden.
  • Er hat ihn noch nie ernstgenommen.
  • Sie erstaunte ihn immer wieder.

Kannst du sicherlich machen, aber das sind trockene Aussagen, die Du zudem auch nur einmal bringen kannst.

Du machst es besser, nicht wahr?

Mit der entsprechenden Körpersprache sagt ein kurzer Satz viel mehr. Dadurch hast Du gute Möglichkeiten, das Verhältnis der (Gesprächs)Partner zu unterstreichen. Gibt es Missverständnisse? Albern sie nur herum? …

Klärung schaffst Du mit dem entsprechenden Verhalten:

Sie verschränkte die Arme. „Komm zum Punkt.“ (Verärgerung/Ungeduld)
Sie inspizierte ihre Fingernägel. „Erzähl‘ mir was Neues.“ (Langeweile)
Er hob eine Augenbraue. „Was du nicht sagst.“ (Sarkasmus)
Sie hob beide Augenbrauen. „Tatsächlich?/Was du nicht sagst“ (Erstaunen/evt. Vertrauen).

Was kannst du noch tun, um handlungsrelevante Details subtil unterzubringen?

Zeige etwas über den Charakter, indem Du ihn (s)eine Geschichte erzählen lässt. Ein unterhaltsames Mittel, Dialog und Rückblenden zu vereinen. Zwei Beispiele aus einem meiner Manuskripte:

„Wo hast du so gut zeichnen gelernt?“ (Allison erzählt …)
“ Woher weißt du so viel über Selbstverteidigung?“ (Jennifer erzählt …)

Deinem Protagonisten bzw. Nebencharakter fallen bestimmte Vorlieben/Abneigungen seines Gegenüber auf. Er will endlich wissen, was los ist. (Das gilt übrigens ebenso für den Gegner). Wichtig ist auch hier, Rückblenden nicht zu früh reinzubringen. Der Leser sollte die Figuren erstmal (besser) kennenlernen und sich mit deren Umfeld vertraut machen.

Wähle stets den richtigen Moment/die passende Szene und lasse die Figur(en) Fragen stellen:

  • Woher kommt das mangelnde Vertrauen?
  • Wieso wolltest du das … werden?
  • Woher kommt deine Abneigung gegen …?

Finde die entsprechenden Fragen für Deine Charaktere, deren Antworten für den Verlauf eine Rolle spielen, auch wenn das (viel) später geschieht. Dadurch erreichst Du nicht nur, dass der Leser mehr über den Charakter erfährt, sondern vermeidest Plotlöcher oder gar Logikfehler.

 

Fazit:

Detail heißt nicht umsonst so – es sollte das auch bleiben: Eine Kleinigkeit. Bringst Du diese kleinen, aber wichtigen Biester geschickt unter, wird es für jeden Leser ein Genuss.

 

Wie bringst Du Deine Details unter? Schreibe ein paar Beispiele in einem Kommentar.

 

Titelbild: Ausgestellte Embleme in einem kleinen FDNY-Museum in Manhatten

Ines Pischel

Ines schreibt unter anderem Krimis, Romanzen und Kurzgeschichten. In ihrem neuen Blog gibt sie (nicht nur) Schreibanfängern praktische und sofort anwendbare Tipps.

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