Details im Roman – überflüssig oder notwendig? Teil eins

Details im Roman

 

 

Detail = Einzelheit

So wird es allgemein definiert. Nun ist es ja wie bei vielen Dingen – was dem einen zu wenig ist, wird dem anderen zu viel.

Dennoch, auch wenn es Geschmackssache ist, gibt es zwei klare Zeichen, dass Du eindeutig zu viel Details verwendet hast:

  • der Leser wird vom Geschehen abgelenkt
  • Du vermittelst überflüssige Informationen

 

Wie findest Du raus, ob Deine Geschichte mehr als nötig davon hat?

Lies alles sorgfältig durch, Szene für Szene, Schritt für Schritt.

  • Liest es sich (noch) flüssig?
  • Weißt Du jederzeit, worum es geht?
  • Haben Beschreibungen abgelenkt?

Die letzte Frage sollte mit einem absoluten Nein beantwortet werden – besonders von den Lesern.

Was aber, wenn Details notwendig sind, z. B. für jetzt passende Beschreibungen? Klatschst Du die dem Leser lieblos vor die Füße? Quetschst Du sie gedankenlos zwischen die Zeilen? Lesen sich diese Details für Dich – dem Autor – langweilig?

Dann schleift was gewaltig.

Bewahre Dich und den Leser vor diesem Moment. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, wenn der Leser zu blättern beginnt und sich fragt: Wann geht’s endlich weiter?

Langeweile ist tödlich - für die Geschichte, für den Leser, für den Autor

Wie lässt Du Details gekonnt und subtil einfließen?

Ob Du Details in Szenen oder Sequels unterbringst ist Dir überlassen. Willst Du z. B. Vorboten schaffen, ist beides möglich:

  • deine Figur erscheint in zerknitterter Kleidung
  • die Wohnung/der Schreibtisch … ist plötzlich aufgeräumt (oder das Gegenteil)

Diese allgemeinen Beispiele erreichen, wenn richtig gemacht, drei Dinge gleichzeitig:

  • du bringst ein neues Detail rein
  • du sorgst für Spannung
  • du unterhältst den Leser

Halte alles zusammen, es muss zum aktuellen Geschehen/zur Gesamtszene passen. Dann funktioniert es ebenso als Dialog (Szene) oder innerer Monolog (Sequel).

Das gilt auch für die Nebencharaktere und den Gegner.

Vermeide Wiederholungen. Die Leser sind weder blöde noch vergesslich. Wenn Du versuchst, doppelte Beschreibungen durch Synonyme zu vertuschen, wird das nicht immer sinnvoll sein. Eine Couch bleibt eine Couch, auch wenn sie beim zweiten Mal Sofa heißt.

Hat Dein Charakter allerdings eine neue Couch, könnten in diesem Zusammenhang Fragen auftauchen (s. Beispiele oben):

  • Ist er plötzlich zu Geld gekommen?
  • Hat er jemanden kennengelernt?
  • Sind gar Blutflecke drauf?
  • Was ist mit der alten? Hat er sie verschenkt?

Es ist auch abhängig von dem, was der Leser bereits weiß bzw. worum es in der Geschichte geht, wohin uns die Handlung führen soll.

 

Wie bringst Du mehr Details ins Setting?

Wie in den vorherigen Beispielen angedeutet, bringst Du dem Leser nicht nur die Charaktere und deren Verhalten nach und nach näher, sondern tust das ebenfalls beim Setting.

Kann das funktionieren? Klar doch.

Und wie?

Hast Du mehrere Charaktere, verteile die Beschreibungen. Jeder sieht oder empfindet (s)eine Umgebung anders. Dadurch schlägst Du auch hier zwei Fliegen mit einer Klappe. Mische Charaktere und Umgebung, z. B.:

  • die Umgebung/ein Gegenstand ist oder scheint neu (Beschreibung)
  • zeige den Charakter, wie es ihm dabei geht

Wunderbar hierfür eignen sich Dialoge. (Aus meinen Manuskript-Entwürfen):

„Sind die Sessel neu?“
„Hab‘ ich eine Gehaltserhöhung gekriegt?“
„Ich weiß nicht. Hast du?“

 

Merke:

Wenn ein Charakter die Wohnung des anderen kennt, ist es immer schwierig. Du beschreibst sie nämlich in diesem Fall als Autor. Weshalb sollte besagter Charakter eine Wohnung, Mobiliar oder anderes beschreiben, das er vielleicht x-mal gesehen hat? Du machst das doch auch nicht, oder?

In diesem Zusammenhang hast Du zusätzlich die Möglichkeit, die finanziellen Umstände und sogar den Geschmack der Charaktere zu zeigen.

Ein weiteres vereinfachtes Beispiel:

„Wieso sieht dein Schreibtisch so aufgeräumt aus?“
„Es musste sein.“
„Ist was passiert?“

Hier kommen Fragen auf. Hat der Charakter es lediglich satt, immer suchen zu müssen? Wurde er versetzt oder gar gekündigt?

Immer daran denken: Vorboten bringen Spannung rein.

 

Wie zeigst Du mehr Details im Verhalten der Charaktere?

Ein Charakter stellt zwei (oder mehr) andere Charaktere einander vor. Eine oft verschenkte Gelegenheit, neue Figuren einzuführen und die bereits bekannten weiter auszubauen.

Du kannst nicht nur Dialoge dafür nutzen, sondern auch Blicke: Wer sieht wen wie? Wie ist der erste Eindruck? Stellt er sich später als Täuschung raus? Achte darauf, wie Du Deine Charaktere anfänglich klassifiziert hast. Naiv oder welterfahren? Wer zu Beginn mit Menschenkenntnis gesegnet ist, sollte später nicht naiv daherkommen.

Jetzt ist die richtige Zeit für Details:

  • ein zuckendes Auge
  • Kaugummi kauen
  • Zahnstocher im Mundwinkel
  • E-Zigarette in der Hand
  • an der Nase kratzen

Du kannst mittels dieser speziellen Details dem Leser – manchmal mit nur einem Satz – nicht nur eine neue Figur vorstellen, sondern sogar auf dessen Hintergrund neugierig machen:

  • Kaugummikauen während eines Gespräches, auch wenn es sich nur um eine Vorstellung handelt (Anstand)
  • Zahnstocher im Mund (hält er es für cool oder ist er Kojek für Arme?)
  • Nase kratzen/drüberwischen (ist er ein Lügner oder drogenabhängig?)

Selbst Nebencharaktere können hier eine nützliche Rolle übernehmen und zur Handlung beitragen – zumindest die eine oder andere Macke bzw. (Un)art des Charakters zeigen, z. B.:

„Du bist noch nie zu spät gekommen.“
„Brauchst du schon wieder Geld?“
„Haste mal ’nen Pfeffi?“
„Räume endlich dein Zimmer auf.“
„Wann hast du das letzte Mal geduscht?“

Siehst Du nicht auch hier gute Möglichkeiten, der Handlung die eine oder andere Wende zu geben oder diese einzuläuten?

Wie beschreibst Du das Aussehen der Charaktere?

Ein anderes Problem, das viele Autoren nicht im Griff haben, ist, das Aussehen der Figuren zu beschreiben. Nicht nur, dass dies oft als Infodump geschieht, sondern auch noch in plumper und einfallsloser Art.

Filme haben es einfach – Du siehst.

Wie aber zeigst Du dem Leser mit Worten, wie Deine Charaktere aussehen?

  • Er war … groß.
  • Sie hatte … Haare.
  • Die Blonde/der Braune
  • Ihre Augen waren …
  • Er war sportlich.

Ich könnte endlos fortfahren, was ich diesbezüglich schon lesen musste. Für obige Beispiele gilt ein no-no.

An der Kleidung sollst du sie erkennen.

Was denkst Du, wenn Du jemandem im Anzug oder Kostüm begegnest? Anwalt oder Banker? Geschäftsfrau oder Firmenchefin?

Oder das Gegenteil: Trägt jemand bunte Klamotten, ist er dann ein Freak oder hat er einen schlechten Geschmack? Vielleicht ist er auch nur ein Optimist und bringt das damit zum Ausdruck. Ist er arm/obdachlos und auf Spenden angewiesen?

Denke in Ruhe nach. Mache Dir (wörtlich) ein Bild Deiner Charaktere. Du kannst auch verschiedene Entwürfe zeichnen/malen, so siehst Du sie noch besser vor Dir und kannst sie direkt in Dein Manuskript übertragen. Oh, und nicht zu vergessen: die Frisuren.

Eine Fülle an Auswahl findest Du auch hier: Das Erscheinungsbild Deiner Charaktere

Vergiss nicht, dem einen oder anderen ein Detail zu geben, das nur für ihn bestimmt ist, z. B.:

  • ein Dialekt
  • gelegentlicher Pfeifenraucher
  • einer, der oft kleckert

 

Bis hierher sollte es erstmal genügen. Es wird in Kürze einen kleineren zweiten Teil geben, bleib also dran. 

 

 

Titelbild: Schnappschuss Bahnhofshalle in Cesano (Italien)

 

 

Ines Pischel

Ines schreibt unter anderem Krimis, Romanzen und Kurzgeschichten. In ihrem neuen Blog gibt sie (nicht nur) Schreibanfängern praktische und sofort anwendbare Tipps.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.