Deine Geschichte schlägt plötzlich eine andere Richtung ein

wenn du die richtung verlierst

 

Der Leser ist verwirrt. Wohin geht die Reise und worum handelt es sich eigentlich? Erst Hü, dann Hott? Wer macht was und warum? Wenn er sich diese Fragen stellt, hast Du ihn womöglich schon verloren.

Wie vermeiden wir also, dass Du beim Schreiben den roten Faden verlierst?

Ist die Erstfassung/der erste Entwurf noch ein Puzzle, lass‘ Dich nicht verdrießen, das ist normal. Ideen können sich während des Schreibprozesses öfter ändern, als einem lieb ist.

Der erste Entwurf ist und bleibt eben das: Ein Entwurf.

Nun stellst Du fest, Du kommst nicht weiter. Was kannst Du tun, um nicht Zeit und Energie zu verschwenden?

Hier mein Vorschlag:

Bevor Du beginnst, erstellst Du eine Kurzfassung mit folgenden Stichpunkten:

  • Idee/Situation
  • Charakter und sein Ziel
  • Gegner und sein Ziel
  • Storyfrage

Dazu zwei Beispiele:

Idee: Ein Geschwisterpaar im Kampf um seine Selbstbestimmung.
Charakter und Ziel: Klaus und Moni möchten ein selbstbestimmtes Leben führen.
Gegner und Ziel: Deren Mutter will die Kontrolle behalten und das verhindern.
Storyfrage: Wer gewinnt den Kampf? Werden die Geschwister ihr Ziel erreichen?

Idee: Ein Mädchen flüchtet vor einem vermeintlich argen Schicksal und findet neue Freunde.
Charakter und Ziel: Ohne Geld und auf der Flucht muss das Mädchen eine sichere Unterkunft und einen Job finden.
Gegner und Ziel: Ihr Verfolger muss sie um jeden Preis finden, sonst ist sein eigenes Leben in Gefahr.
Storyfrage: Wird sie ihrem Verfolger entkommen, wird sie ihr Ziel erreichen?

 

Du kannst diese erste Kurzfassung beliebig erweitern. Steht das Ende bereits fest, umso besser. Keine Sorge, wenn sich der Inhalt ändert; du passt dann Deine Kurzfassung entsprechend an. Sie dient ja lediglich zur Orientierung.

Mach‘ Dir ständig Notizen über den Verlauf und die Charaktere. Füge hinzu, was besser passt und/oder streiche Dinge, die demzufolge nicht (mehr) notwendig sind.

Ich musste diesbezüglich auch erst Erfahrungen sammeln. Bei meinem ersten Krimi hab‘ ich drauflos geschrieben, bis ich merkte, das dritte Opfer ergab (aus Sicht des Täters) keinen Sinn. Das war eine schmerzhafte Erfahrung, da ich die zweite Hälfte meines Entwurfs komplett umschreiben musste.

Mach‘ nicht den Fehler und verliere kostbare Zeit.

Nochmal zusammengefasst:

  • behalte stets die Charaktere und deren Ziele im Auge
  • notiere jede Idee und probiere, ob Du sie umsetzen kannst
  • passe die Kurzfassung entsprechend an
  • habe die Storyfrage (wird der Charakter sein Ziel erreichen) immer im Fokus

Nutze die groben Kurz-Entwürfe als Leitfaden, so wirst Du nicht den roten Faden verlieren und der Leser später auch nicht.

 

Wie gehst Du vor? Bist Du ein Planer oder schreibst Du lieber aufs Geratewohl? Wie sind Deine Erfahrungen?

 

 

Titelbild: Schnappschuss in Beverly Hills (L.A.)

Ines Pischel

Ines schreibt unter anderem Krimis, Romanzen und Kurzgeschichten. In ihrem neuen Blog gibt sie (nicht nur) Schreibanfängern praktische und sofort anwendbare Tipps.

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