Wie verhält sich der ideale Antagonist?

Empathie für den Gegner

 

Ein Antagonist kann erstmal alles sein. Wir haben ja nicht nur menschliche Gegner, sondern auch – abhängig vom Setting – Unwetter, Blizzards, Naturkatastrophen, Überschwemmungen oder auch mal was großes Weißes mit Hackebeil-Zähnen.

Um diese geht es in diesem Beitrag nicht. Wir beschäftigen uns heute mit der schlichten Spezies Mensch.

Der Begriff Antagonist ist vielen Schreibern sicherlich bekannt, vielleicht auch unter der Bezeichnung Gegner oder Bösewicht. Ich denke, wir sollten da nicht so pingelig sein, meinst Du nicht?

Dass auch der Antagonist eine dreidimensionale Figur sein sollte, ist selbstverständlich. Der Gegner muss zunächst stärker sein, nicht unbedingt körperlich, auch anderweitig. (Er hat Kohle ohne Ende, durch die er Macht besitzt oder er kennt Leute mit Einfluss, die wieder andere kennen ...)

Wenn also Dein Gegner ein stinknormaler Mensch ist, musst Du ihn glaubwürdig erschaffen. Hier beginnt bei vielen Autoren der erste Irrtum, weil sie’s irgendwo mal gelesen oder gehört haben: Der Bösewicht muss auch was Gutes (an sich) haben.

Das ist grundsätzlich richtig, aber was könnten wir ihm denn mitgeben, das ihn dennoch ein klitzekleines bisschen sympathisch macht?

Halt. Bis hierher und nicht weiter.

Was ist jetzt wieder? Ist doch richtig.

Nein, eben nicht. Was oft in einen Topf geworfen wird, sind zwei Begriffe, die verschiedene Bedeutungen haben: Sympathie und Empathie.

Ich gehe davon aus, Du kennst den Unterschied. Nicht? Dann mache ich es kurz:

  • Sympathie: Jemanden mögen, seinen Handlungen zustimmen
  • Empathie: Sich in seine Lage/Situation hineinversetzen

 

Weshalb sollte der Leser Empathie empfinden?

Ich dachte anfänglich auch immer, der Antagonist muss doch wenigstens eine positive Eigenschaft haben, der Leser soll ihn doch irgendwie ein bisschen mögen. Das stimmt – bis zu einem gewissen Punkt.

Er mag tierlieb sein oder einen Kumpel bis auf’s Blut verteidigen. Vielleicht pflegt er sogar einen lieblichen Garten oder hilft tattrigen Leutchen über die Straße. Alles gut und schön, aber eines fehlt.

Damit rechtfertigst Du keineswegs seine (Un)taten.

Der springende Punkt ist, das Verhalten glaubhaft zu machen. Dem Leser zu zeigen, weshalb dieser Typ so handelt. Seine Motive müssen Empathie hervorrufen, d. h., der Leser sollte sich in die Situationen, in denen sich der Antagonist befindet bzw. befunden hat, hineinversetzen.

Da haben wir sie, diese glaubhaften Motive, bei denen einen der Kragen platzen kann:

  • Rache (für ein begangenes und nicht gesühntes Unrecht)
  • Verrat (die ungebändigte Enttäuschung)
  • Missbrauch (wie entwickelt sich eine geschundene Kinderseele)

Wir müssen dem Leser Gegner anbieten, deren Beweggründe nachvollziehbar sind:

  • Wer oder was hat sie zu gewissen Taten getrieben?
  • Weshalb möchten sie nicht, dass der Protagonist Erfolg hat?
  • Wieso hat der Gegner sich so oder so entwickelt?

 

Wie bringe ich das in meiner Geschichte unter?

Du klatschst das selbstverständlich nicht mal so irgendwo rein. Was hast Du u. a. für Möglichkeiten?

  • eine Konfrontation zwischen Protagonist und Antagonist
  • Kapitel aus der Sicht des Gegners
  • innerer Monolog (eine gute Gelegenheit für Rückblenden)

Es gibt sicherlich noch mehr Gelegenheiten – ich kenne ja Deine Geschichte bzw. Deine Charaktere nicht. Beachte aber, dass Du den Lesefluss nicht unterbrichst.

 

Fazit:

Was immer die Beweggründe Deines Gegners sind, vergiss nicht, er ist ein Mensch, für dessen Verhalten der Leser Empathie empfinden muss.

 

Bild: Wachsmuseum in L. A.

 

Ines Pischel

Ines schreibt unter anderem Krimis, Romanzen und Kurzgeschichten. In ihrem neuen Blog gibt sie (nicht nur) Schreibanfängern praktische und sofort anwendbare Tipps.

Ein Gedanke zu „Wie verhält sich der ideale Antagonist?

  • 5. September 2020 um 4:58
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