Das klingt interessant, davon will ich mehr

 

 

Jetzt mal ehrlich, hat Dich das Thema neugierig gemacht oder das Bild?

Weshalb frage ich das? Weil das ein oft unterschätzter Punkt ist, der mir in vielen Büchern begegnet.

Das Bild stammt von einem Besuch in Volterra (Italien). Dass an diesem Ort, an diesem Tag, zu dieser Uhrzeit ein derartiger Auftritt stattfand, wussten wir nicht. Was hat uns also neugierig gemacht? Genau, die Kostüme und die Farben. Der erste Eindruck war: Hier bleiben wir stehen.

Damit kommen wir zum heutigen Thema:

Interesse und Neugier wecken.

„Endlich ist was los.“

Wenn das der Leser Deiner Geschichte auf Seite 30 oder 40 sagt, hast Du was falschgemacht. 

„Mensch, hier geht aber die Post ab.“

So eine Aussage sollte auf Seite 2 kommen, wenn nicht schon eher. Wäre doch eine feine Sache, oder? Das nennt man den sogenannten Haken, also ein Ereignis zu Beginn der Geschichte, das den Leser veranlasst, weiterlesen zu müssen.

Aber wie machst Du das? 

Das Wichtigste: Halte Dich zu Beginn nie mit langen Einführungen des Umfeldes und/oder der Charaktere auf. Ich kann es nicht oft genug betonen und ich lege es auch Dir ans Herz:

Vermeide – gerade auf den ersten Seiten – einen Infodump

Falls Du mit diesem Begriff noch nicht vertraut bist, kannst Du hier nachlesen Wie wir Infodump geschickt vermeiden

Versetze Dich immer in die Lage der Leser.

Während es nicht unbedingt immer ein Fehler wäre, den Charakter zu Beginn vorzustellen (es ist eine Frage der Kategorie bzw. des Stils), ist es essentiell, wie Du das tust. Zu den Ausnahmen später.

Für die meisten Geschichten ist nämlich ein Bang der beste Beginn.

Ist Dein Charakter interessant genug, z. B. durch einen gefährlichen Beruf oder ein außergewöhnliches Hobby, dürfte das nicht zu Langeweile führen, aber andererseits?

Sind Deine Charaktere durchschnittlich, wirf sie vor einen Zug(Metapher). Einiges kannst Du hier nachlesen So, Du magst es also gemächlich. Deine Leser auch?

Was könnte einem Charakter – oder besser noch – Deinem Protagonisten zu Beginn (s)eines bisher gewöhnlichem Leben passieren? Was könnte ihn (vorerst) aus der Bahn werfen?

  • Bedrohung
  • Flucht
  • Entführung
  • Verbannung
  • Tatort
  • Entlassung
  • Ortsveränderung

Viele Leser werden sich mit dem einen oder anderen Ereignis verbinden. Wenn nicht unbedingt durch eigene Erfahrung, so doch durch ihre Phantasie.

Hast Du den Leser erstmal geködert, ist die Zeit gekommen, die Figuren (in Bezug mit dem Ereignis) dem Leser vorzustellen/näherzubringen: Wie sind sie in diese Situation geraten? 

 

Was meine ich mit Ausnahmen?

Manchmal ist es halt besser, vorzugreifen, um überhaupt zum Thema zu kommen, z. B., ein perfektes Familienleben zu zeigen (Thriller) oder historische Fakten zu nennen (soziale Stände). Du darfst es nur nicht in die Länge ziehen.

Geht es um Magie? Geht’s um spezielle Technik? Dann sind wichtige Infos nicht verkehrt. Der Leser bekommt eine Vorstellung und kann besser in die Geschichte eintauchen.

  • Zeige dem Leser, in welcher magischen Umgebung/Welt sich Dein Charakter befindet. Lebt er dort oder wurde er hineinkatapultiert?
  • Zeige dem Leser, mit welcher Technik sich die Figuren beschäftigen.

Wichtig ist auch hier, nicht gleich alles reinzuklatschen. Details, die der Leser noch nicht wissen muss, webst Du später durch Dialoge und/oder Handlungen ein.

Achtung: Selbst Details solltest Du nur reinbringen, wenn sie später eine Rolle spielen.

Möchtest Du den Protagonist vor dem Ereignis vorstellen, zeige ihn in seiner Verantwortung. Er könnte z. B. der Hauptverdiener sein (Jobverlust).

Was immer Du für ein Thema hast oder welche Kategorie Du wählst, zeige seine Empathie für andere, dann lass‘ ihm ein Unglück widerfahren.

Damit kommen wir zum nächsten Punkt.

Du wirst oft lesen: Mach‘ den Protagonist zum Liebling der Leser. Das heißt aber nicht, er muss ein Superheld sein – im Gegenteil. Superhelden sind was für Comics. Wir schreiben gute Geschichten, in denen stinknormale Menschen agieren, also mach‘ sie auch menschlich.

Menschliche Schwächen sind nicht nur natürlich, sondern machen die Figuren auch sympathisch. Es ist nicht neu und auch nachvollziehbar, dass Menschen in bestimmten Situationen über sich hinauswachsen. Hast Du eine Idee für solch ein Ereignis, gib Deinem Charakter ein zunächst gewöhnliches Leben, einen gewöhnlichen Alltag. Wenn das Ereignis für den Leser interessant sein soll, mag eine kleine Hintergrundgeschichte sinnvoll sein. Dein Charakter erzählt sie (im Hier und jetzt), während er sich unterhält oder diese in einem Monolog widergibt.

In Verbindung mit typischen menschlichen Schwächen Deines Charakters ergibt das Ereignis bzw. die neue Situation mehr Sinn, erst recht, wenn es eine ganze Geschichte/einen Roman tragen soll.

Achte drauf, den Leser nie zu langweilen, in medias res gilt auch hier.

Kurz zusammengefasst:

Gib der Einführung vor dem ausschlaggebenden Ereignis nur so viel Aufmerksamkeit, dass dies Munition für den Leser ist. Deine Aufgabe ist, den Leser zum Weiterblättern zu bringen.
Wie wir an den Musikern nicht vorbeigehen konnten, darf der Leser an Deinem Buch nicht vorbeigehen.

Deine Leser möchten gut unterhalten werden.

 

 

Beitragsbild: Schnappschuss in Volterra (Florenz)

 

Ines Pischel

Ines schreibt unter anderem Krimis, Romanzen und Kurzgeschichten. In ihrem neuen Blog gibt sie (nicht nur) Schreibanfängern praktische und sofort anwendbare Tipps.

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