Kenne die Rolle Deiner Charaktere

 

Wenn Deine Charaktere während der ganzen Geschichte nur Tee saufen, sind sie sicherlich nicht notwendig, oder? Die Wichtigkeit der einzelnen Charaktere (ob Neben- oder Hauptrolle) ist entscheidend, wie viel Raum Du ihnen in Deiner Geschichte gibst.

Um Dir die Auswahl und Zuordnung etwas zu erleichtern, habe ich eine kleine Auswahl für Dich zusammengestellt.

 

Antagonist

Eine der wichtigsten Rollen, da er der stärkste Gegner/Widersacher des Protagonisten ist. Ohne Antagonist haben wir keinen Konflikt und somit keine (gute) Geschichte. Wichtig ist hierbei, den Antagonisten nicht ausschließlich böse zu machen und ihm wenigstens einen guten/nachvollziehbaren Grund für sein Verhalten zu geben. Wie verhält sich der ideale Antagonist? Der Gegner muss nicht immer eine Person sein, obwohl das sicherlich die beste Wahl ist. Anderweitig? Wie wär’s denn mit einem Hai oder einem Twister …

Antiheld – klassisch

An ihm ist nichts heldenhaft, das sollte der Begriff bereits deutlich machen. Seine Erkennungsmerkmale sind u. a. Feigheit und Tatenlosigkeit, er besitzt weder beschützende noch verteidigende Eigenschaften. Diese Figur kommt als Protagonist/Hauptcharakter eher im literarischen Genre, z. B. im Drama, vor. Eine typische Vertreterin ist Emma Bovary. Mehr zum Antihelden siehe hier.

Der dynamische Charakter

Entwickelt sich während der Geschichte am stärksten, z. B. durch ein einschneidendes Ereignis/Erlebnis – meistens der Protagonist oder Hauptcharakter.

Der stille Beobachter

Tritt als Erzähler der Ereignisse in Erscheinung. Er ist weder in das Geschehen involviert noch erfährt er eine prägnante Veränderung/Entwicklung. Die bekannteste Figur ist Dr. Watson.

Der urtypische Charakter

Oft nur ein Nebencharakter, der allerdings eine wichtige Rolle spielen kann. Urtypische Charaktere (Prototyp) sind z. B. der Mentor, der Trickster oder der Wächter.

Hauptcharakter

In den meisten Fällen auch der Protagonist. Wenn nicht, übernimmt der HC in den Geschichten die emotionale (und erzählende) Rolle. Eine der bekanntesten Vertreter ist Ellis Boyd (Red in Die Verurteilten). 

Impact-Charakter

Hat den größten Einfluss auf den Protagonisten – manchmal auch Sidekick oder Beziehungsfigur genannt. Der Einfluss kann positiv sowie negativ sein.

Mentor

Ist immer eine positive Person. Lehrt, hilft und unterstützt den Protagonisten, z. B. als Ausbilder oder Doktorvater. Manchmal ist er auch ein väterlicher Freund, der Deiner Figur mit Rat und Tat zur Seite steht. Der bekannteste Mentor ist Yoda.

Nebencharakter

Ihnen kann man verschiedene kleine und/oder Kleinst-Rollen zuteilen, nur sollten diese Sinn ergeben und – wenn auch minimal – die Geschichte (mit) vorantreiben. Also lieber mal auf eine Nebenfigur verzichten als zu viele einzubauen.

Protagonist

Neben dem Antagonisten ebenfalls die wichtigste Figur. Er treibt die Geschichte voran, für ihn steht das meiste auf dem Spiel. Ein schwacher Protagonist sollte keine tragende Figur sein. Überlege Dir also gut, wem Du diese Rolle überträgst.

Statist

Auch hier sagt die Bezeichnung schon alles. In vielen zeitgenössischen Romanen ist er alltäglich, z. B. mal als Taxifahrer, mal als Kollege/Mitarbeiter oder mal als Nachrichtensprecher. Statisten sind gesichts- und namenlos. Beschreibst Du diese dennoch im Detail, bietest Du dem Leser keinen Mehrwert für die Geschichte, sondern lediglich schmerzhaften Infodump.

Trickster

Seine Rolle ist, die anderen Figuren zu foppen (worüber er sich köstlich amüsiert). Der wohl bekannteste Trickster ist Loki.

 

Du siehst, es ist gar nicht so einfach, die Figuren zu charakterisieren und ihnen in ihrer Rolle gerecht zu werden. Vielleicht hast Du zum Beispiel zu viele Protagonisten, obwohl (wenigstens) einer ein Impact-Charakter ist.

 

 

Wie teilst Du Deine Figuren ein? Haben sie ihre richtige Rolle?

 

Bild: Zu Besuch bei Minnie Maus in Disneyland (Anaheim/CA)

Ines Pischel

Ines schreibt unter anderem Krimis, Romanzen und Kurzgeschichten. In ihrem neuen Blog gibt sie (nicht nur) Schreibanfängern praktische und sofort anwendbare Tipps.

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