7 Beispiele für eine Szene-Sequel-Struktur

 

Aufbau eines Romans mit der Szene Sequel Struktur

 

 

Nachdem Du hoffentlich den Beitrag Nahtlos aufgebaut gelesen hast, gebe ich Dir nun 7 Beispiele, die Du für die entsprechenden Punkte verwenden könntest. Einige davon sind aus meinen Manuskripten, andere aus der Luft gegriffen bzw. noch lose Ideen. Es kommt ja, wie immer, auf die Kategorie an. Du weißt am besten, was zu Deiner Geschichte passt bzw. zum Hauptziel und dessen (End)Lösung.

Kleiner Hinweis: Ich bin sonst nicht für Papageien-Beiträge, aber in diesem Fall habe ich eine Ausnahme gemacht, da (noch) nicht jeder mit der Reihenfolge vertraut ist. Für einen besseren Überblick (damit Du nicht ständig scrollen musst) habe ich eine vollständige Aufbaustruktur zusammengestellt und die 6 Punkte (einschließlich der ersten beiden Beispiele) farbig gestaltet.

Bevor wir loslegen, hier nochmal ein kurzer Überblick:

 

Das Ziel

Der Charakter braucht etwas bzw. hat einen Wunsch, den er sich erfüllen möchte.

Der Konflikt (äußerer/innerer)

Erfüllen sich die Wünsche? Erreicht er sein Ziel? Sicherlich nicht, sonst wäre die Geschichte zu Ende.

Das Desaster

Der Charakter ist echt angeschissen, er weiß nicht weiter. Wie geht er damit um?

Die Reaktion

Die größte Hürde ist der Übergang zum Sequel. Die Reaktion folgt ja immerhin dem Desaster. Vergiss nicht, bei dieser Gelegenheit, die Charaktere und/oder das Setting weiter auszubauen.

Das Dilemma

Jetzt weiß der Leser, wie die Charaktere in bestimmten Situationen reagieren – physisch, neutral, mental, psychisch. Nun zeigst Du ihm (dem Leser), welche Lösung sich der Charakter überlegt.

Die Entscheidung

Irgendwann müssen wir mit dem Gejammer aufhören. Irgendwann muss der Charakter eine Entscheidung treffen, am besten noch, bevor der Leser beginnt, sich zu langweilen.

 

Das nur nochmal kurz zur Wiederholung. Beachte bitte, dass es sich bei den folgenden Beispielen nur um grobe Szenen handelt.

Können wir? Also los.

 

Beispiel # 1: Hans hat eine Verabredung

Z: Hans braucht unbedingt ein neues Ersatzteil für sein Auto.
K: Die preiswerten sind ausverkauft, die anderen zu teuer.
D: Hans muss aus finanziellen Gründen auf ein gebrauchtes zurückgreifen.
R: Die Ware ist mangelhaft, Enttäuschung macht sich breit.
D: Nehme ich den Zug oder sage ich das Treffen ab?
E: Hans nimmt den Zug (passt zu einem Charakter, der seine Versprechen einhält).

 

Beispiel # 2: Ein Privatdetektiv erhält einen Auftrag

Z: Der Privatdetektiv muss Informationen einholen.
K: Er verschlampt die Telefonnummer einer wichtigen Person.
D: Er steckt in seinen Ermittlungen fest.
R: Er ist wütend auf sich – er kann es sich nicht leisten, zu versagen.
D: Suche ich nochmal gründlich oder frage ich mich umständlich durch?
E: Er sucht die Nummer (eine gute Gelegenheit, dem Leser die Wohnung/das Büro oder etwas von der Kleidung unterzujubeln).

 

Beispiel # 3: Allison flieht vor einem Verfolger (ist in diesem Fall auch der Hauptkonflikt)

Z: Sie muss ein Versteck finden.
K: Der Verfolger entdeckt das – nicht gut gewählte – Versteck
D: Allison kommt gerade nochmal davon.
R: Sie ärgert sich über ihren Leichtsinn (innerer Monolog: wann wird sie endlich lernen …)
D: Melde ich es der Polizei? Ich kann ja nichts beweisen.
E: Sie entscheidet sich vorerst, ihre Freunde einzuweihen.

 

Beispiel # 4: Kurts große Liebe hat ihn verlassen

Z: Kurt will seiner beginnenden Depression entfliehen.
K: Er weiß nicht, was er tun soll – die Depression verstärkt sich.
D: Kurt überlegt, das Problem mit Medikamenten zu lösen.
R: Da er immer gegen Medikamente war, vergleicht er verschiedene Gesprächsangebote.
D: Können mir Gespräche überhaupt helfen?
E: Entscheidet sich für ein Gespräch, das nichts bringt. (Wenn Du das steigerst, erschaffst Du einen klassischen Antihelden).

 

Beispiel # 5: Peter muss den Gürtel enger schnallen

Z: Peter muss extrem sparen (z. B. für den nächsten versprochenen Urlaub).
K: Er geriet aufgrund einer Fehlinvestition in finanzielle Schwierigkeiten.
D: Würde ihm ein Kredit kurzfristig aus der Patsche helfen?
R: Er fühlt sich beschissen und ärgert sich über das verlorene Geld.
D: Wie bringe ich das meiner Familie bei?
E: Er entscheidet sich für Ehrlichkeit. (Hier wäre sehr ausschlaggebend, wie Dein Charakter tickt und worum es in der Geschichte geht).

 

Beispiel # 6: Santino und Concetta sind heimlich zusammen (ist auch der Zentralkonflikt)

Z: Die beiden müssen ihr Geheimnis bewahren.
K: Ihre Liebe könnte auf Unverständnis/Ablehnung stoßen.
D: Wie lange können sie sich noch unverfänglich treffen?
R: Die fragenden Blicke der anderen machen die beiden nervös. (Zeige die Unruhe)
D: Sollten wir nicht endlich mit der Sprache rausrücken?
E: Sie vertrauen sich einer befreundeten Person an. (Könnte ein Side-Kick, ein Impact-Charakter oder ein Mentor sein).

 

Beispiel # 7: Frank hat bisher zu Vielem geschwiegen und immer ja gesagt

Z: Frank fühlt sich in seinem Freundeskreis nicht mehr wohl und will endlich seine (geänderte) Meinung vertreten.
K: Er hat Angst vor den Reaktionen. (Innerer Konflikt)
D: Er will trotz allem die Freunde nicht verlieren.
R: Seine Unentschlossenheit ärgert ihn. (Zeige dem Leser seine Launen.)
D: Soll ich meine Einstellung lieber nochmal überdenken?
E: Was soll’s. Es ist meine Leben und meine Entscheidung. Ich sag von jetzt an meine Meinung. (Spricht für einen Charakter, der reift).

 

Einige Beispiele enthalten bereits den Zentralkonflikt, aber auch die anderen gäben Stoff für eine längere Geschichte, z. B. # 2 (Krimi), # 4 (Antiheld) oder # 7 (Reife).

So baust Du Deinen Roman auf, bis die letzte Klappe fällt und der zentrale Konflikt nahtlos gelöst ist, d. h., Deine Charaktere ihr (End)Ziel erreicht haben.

 

Jede Entscheidung führt zu Konsequenzen: Ein neues Ziel, dem ein neuer Konflikt folgt, dem ein Desaster folgt, das wiederum eine Reaktion hervorruft ...

 

Noch ein Wort zum Schluss:

Du wirst oft lesen oder hören: jede Szene muss einen Konflikt haben. sonst sei es keine Szene. Das ist so weit richtig, wie wir festgestellt haben. Was aber auch erwähnt werden sollte, ist, dass nicht jeder Konflikt ein Riesending sein muss. Konflikt klingt so dramatisch, dass viele Anfänger verzweifeln. Kein Grund dazu, es geht auch kleiner, z. B.:

  • ein verpasster Zug – Anschlüsse sind weg
  • Ladenschluss – nichts im Kühlschrank
  • krank geworden – ein wichtiger Termin steht an
  • Kollege krank/Urlaub – Charakter ist eh schon überarbeitet
  • verschlafen – da kommt schnell eins zum anderen

Beispiele finden sich genügend, denke ich. Du nicht auch? Das tägliche Leben und der tägliche Umgang mit Nachbarn, Freunden, der Familie … liefern sicherlich reichlich Stoff. Achte nur darauf, dass Kategorien, Charaktere sowie das Setting zusammenpassen, dann kann nichts schiefgehen.

 

Welche sind Deine Lieblingskonflikte? Womit machst Du Deinen Charakteren das Leben schwer? Wie reagieren sie, hast Du ihre Gefühle ins Spiel gebracht? 
Errätst Du, welche Beispiele meinen Manuskripten entstammen?

 

Beitragsbild: Schnappschuss am Pier 39 (San Francisco)

Ines Pischel

Ines schreibt unter anderem Krimis, Romanzen und Kurzgeschichten. In ihrem neuen Blog gibt sie (nicht nur) Schreibanfängern praktische und sofort anwendbare Tipps.

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